23.07.2020 - 14:50

Shaping the Future: Nachbericht "Robotik & Automatisierung"

Welches Potenzial eröffnet sich durch Automation und Robotik in der Medtech-Produktion? Das wurde im T4M-Webinar am 22. Juli mit Experten von fruitcore robotics, Zeltwanger, Kistler und dem Fraunhofer IPA diskutiert. Lesen Sie den Nachbericht zur Web-Session vom Fachmagazin Medtech Zwo.

Das vorerst letzte Webinar der Reihe "Shaping the Future of Medical Technology"  vor der Sommerpause rückte das Thema Robotik und Automation in den Mittelpunkt. Es war die achte Veranstaltung der Online-Serie, die gemeinsam von der Messe Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem VDMA Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik sowie dem Veranstalter der T4M-Start-up World, Medtech Zwo, initiiert wurde. Vom 10. Juni bis 22. Juli standen immer mittwochs von 10 bis 11 Uhr Innovationen aus verschiedenen Themenfeldern im Fokus. „Wir haben uns sehr über die große Resonanz gefreut und blicken bereits gespannt auf die Fortsetzung im September“, sagte Tanja Wendling, Projektleiterin der T4M, zum Auftakt des Webinars. Vom 16. bis zum 30. September soll es dann wieder wöchentliche Webinare geben zu den Themenfeldern Kunststoffe, Bildgebung und Bildverarbeitung sowie Produktentwicklung. 

Auf der Agenda des aktuellen Webinars standen Vorträge der Unternehmen fruitcore, Zeltwanger und Kistler sowie des Fraunhofer IPA. Zunächst übernahm Niklas Kuczaty, Geschäftsführer der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik, eine kurze Einführung in die Bedeutung von Robotik und Automation für die Zuliefererindustrie. Er verwies auf zahlreiche Serviceangebote, die der VDMA in diesem Gebiet für Hersteller bietet und berichtete über den Schnittstellenstandard OPC UA, der die Mechanismen der Zusammenarbeit im industriellen Umfeld definiert. Darüber ist eine digitale Vernetzung von Maschinen und Anlagen per Plug & Work unabhängig vom Hersteller möglich. (Alle Infos dazu gibt es hier: https://opcua.vdma.org) Darüber hinaus stellte Kuczaty die Marke umati vor, über die dieser Standard inzwischen gemeinsam von VDMA und dem Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) vertrieben wird, um eine gemeinsame „Weltsprache der Produktion“ zu etablieren.  

Die folgenden Präsentationen stellten einzelne Robotik- und Automatisierungslösungen vor. Den Auftakt machte Patrick Enderle des Start-ups fruitcore robotics. Das in Konstanz ansässige Unternehmen macht der Robotik-Industrie mit seinem preiswerten HORST-Modell Konkurrenz und ist aktuell auf Expansionskurz mit einem neuen Standort in Villingen-Schwenningen. Pro Jahr sollen hier mehrere hundert seiner HORST-Industrieroboter entstehen. HORST steht dabei für Highly Optimized Robotics Systems Technology. Dahinter verbirgt sich ein vergleichsweise preiswertes Robotiksystem, das qualitativ hochwertige Automatisierungslösungen für Mittelständler anbietet. Wie Enderle erläuterte, ist bei HORST eine neue Antriebstechnologie mit innovativer Kinematik eingebaut, die den Schwenkarm entlastet und den Einsatz von kleinen Antriebsmotoren erlaubt.  An einem Anwendungsbeispiel in der Lasermarkierung bei der Add‘n solution GmbH & Co KG zeigte Enderle auf, wie die automatische Lösung eine volle Auslastung der Laseranlage und damit den Personalaufwand um 80% senken konnte. 

Im Anschluss präsentierte Lorenz Halt vom Fraunhofer IPA die von ihm und seinem Team entwickelte Software pitasc, die kraftregelte Such- und Montageprozesse – unabhängig vom Roboterhersteller – strukturiert und modular programmieren kann und dabei sowohl eine Prozess- als auch eine Variantenvielfalt berücksichtigt. „Mit pitasc haben wir einen Software-Baukasten entwickelt, der eine Bibliothek an Bausteinen für kraftgeregelte Roboterprozesse bereitstellt“, berichtete Halt. An mehreren Beispielen zeigte er auf, wie diese Software für Zwei- oder Mehrarmige Robotersysteme in der Fertigung genutzt werden kann. Insgesamt fünf bis sechs Jahre haben die Fraunhofer-Forscher daran gearbeitet, nun steht die Software demnächst als kommerzielles Produkt bereit. „Wir steuern im nächsten Jahr die Gründung eines Start-ups an, dass die Software vertreibt“, so Halt. Schon jetzt könnten aber Firmen an IPA herantreten und im Fraunhofer-Kontext erste Voruntersuchungen durchführen lassen. 

Gia Hung Ha der Zeltwanger Automation GmbH stellte in seiner Präsentation das Portfolio der Firma vor, das sich von der Prozessanalyse und -beratung über das Engineering bis hin zu Montage, Software-Entwicklung, Inbetriebnahme und Service von Maschinenbau-Anlagen erstreckt. Was automatisierte Lösungen leisten können, berichtete Hung Ha unter anderem am Beispiel von automatisierten Laser-Handstationen, bei denen kollaborative Roboter beim Laserschweißen oder der Laserbeschriftung zum Einsatz kommen und auch Bilderkennungssysteme integriert werden können. Des Weiteren wurden die Potenziale einer Vollautomatisierung mit der Bearbeitungs-, Prüf- und Handlingszelle X-Cell präsentiert, die dank eines modularen Aufbaus unterschiedlichste Laser-basierte Prozessketten integrieren kann. Wie Hung Ha betonte, sind sowohl Foba- als auch Trumpflaser integrierbar. Zudem enthält die Anlage mehrere Schubladen, eine Laser- und lichtdichte Anlagenumhausung sowie einen integrierten Schaltschrank. Zu den Kernprozessen der X Cell gehören Laserschweißen, Laserbeschriften, Dichtheitsprüfung und Werkzeugmaschinenbeladung.

Den Abschluss des Webinars bildete der Vortrag von Stephan Vogel von der Kistler Instrumente AG, der das auf Messanalytik spezialisierte Unternehmen als Partner entlang der gesamten Prozesskette von der Entwicklung bis zur Produktion darstellte. Anhand von Beispielen etwa in der Kunststoffteileherstellung konnte er aufzeigen, welche Anforderungen an Messtechnik und Validierung in den verschiedensten Prozessstufen nötig sind und wie die Produkte der Firma – etwa die Lösungen ComoNeo oder NaXYmos TL ML – bei einem In-Line Prozessmonitoring unterstützen können.  „Wir können dabei eine 100% Überprüfung von Bauteilen direkt im Produktionsprozess sicherstellen und kann den Validierungsaufwand enorm reduzieren“, sagte Vogel. 

Zum Ende des Webinars gab Tanja Wendling von der Messe Stuttgart einen Ausblick auf das erste Webinar nach der Sommerpause am 16. September. Dann wird das Thema Kunststoffe in den Mittelpunkt gerückt: Zur Anmeldung geht es hier

Quelle: Medtech Zwo

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