Shaping the Future: Nachbericht "Additive Fertigung #2"

09.07.2020 - 10:40

Welches Innovationspotenzial die additive Fertigung bietet, zeigten Experten im digitalen Online-Event der T4M-Reihe „Shaping the Future of Medical Technology“. Lesen Sie den Nachbericht zur Web-Session vom Fachmagazin Medtech Zwo.

Mit der aktuellen Webinarreihe „Shaping the Future of Medical Technology“ stellt die Messe Stuttgart ein vielfältiges Angebot zu Medizintechnik-Themen zusammen und überbrückt so die Zeit bis zur nächsten Messe, die vom 4. bis 6. Mai 2021 stattfinden wird. Immer mittwochs von 10 bis 11 Uhr stehen aktuelle technische Entwicklungen von innovativen Unternehmen im Mittelpunkt. In dieser Woche lag der Fokus des Gemeinschaftsprojekts der Messe Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem VDMA sowie dem Veranstalter der T4M-Start-up World Medtech Zwo erneut auf der additiven Fertigung. In dem 60-minütigen Online-Event waren die Start-ups Spectroplast AG und Psilkon GmbH & Co. KG zusammen mit den erfahrenen Firmen Trumpf Laser- und Systemtechnik GmbH sowie der Burgmaier Technologies GmbH & Co. KG vertreten.

Niklas Kuczaty, der Geschäftsführer der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik, gab erneut „einen kleinen Exkurs in die Medizintechnik des 4D-Drucks“. So kann das Laser Zentrum Hannover e.V. flexible Implantate für das Ohr mit Hilfe additiver Verfahren drucken. Medizinische Teile können so mittels minimal-invasiver Eingriffe eingeführt werden und die endgültige Form entfaltet sich dann im Körper. Auch im Bereich der Stents sind solche Techniken von großer Bedeutung. 

Um die Hochpräzision im Silikon 3D-Druck ging es dann bei Andrey Alekseev von der Spectroplast AG. Das junge Unternehmen forschte bereits an der ETH Zürich mit dem Material. Dabei fand das Spin-off einen Weg dieses echte, medizintechnische Silikon mittels additiver Fertigung zu verarbeiten. Denn das Material kann nicht in gängigen Verfahren eingesetzt werden. Spectroplast bietet ein Service-Center für die Herstellung von maßgeschneiderten, biokompatiblen, medizintechnischen Produkten an, die nach ISO DIN EN10993-05/10 zertifiziert sind. Mit einer Präzision von 0,1 mm kann das Start-up höchste Ansprüche im Bereich der Silikone erfüllen und seinem Kunden vor allem bei Einzelteilen bis hin zu Kleinserien weiterhelfen.

Das Start-up Psilkon GmbH & Co. KG, vertreten durch Pascal Kümmert, gab anschließend einen Einblick in die Silikon-Spritzgussfertigung. Mit Erfindergeist und Entwicklungsdrang hat das Team von Psilkon zum Schutz vor Covid-19 eine wiederverwendbare Atemmaske aus Silikon mit dem Namen Provid entwickelt. Die Maske schützt vor gefährlichen Aerosolen sowie Tröpfchen und hat einen Abscheidegrad von über 98 Prozent mit einer Partikelfraktion von 3 µm. Mit einem auswechselbaren Filter und der Möglichkeit der Sterilisation ist die Maske, die aus nur fünf Bauteilen besteht, zudem ökologisch nachhaltig.

Mit Laura Kastenmayer von der Firma Trumpf Laser- und Systemtechnik GmbH ging es von dem Feld der Kunststoffe in die metallische Fertigung. Sie legte einen besonderen Blick auf die Verarbeitung der Materialien mit Nitinol und amorphen Metallen, die ein spannendes Anwendungsgebiet eröffnen. Nitinol springt von seiner komprimierten Form zurück in die Ursprungsform und hat vor allem bei der minimal-invasiven Chirurgie großes Potenzial. Denn filigrane Geometrien mit einem sogenannten Memory-Shape-Effekt und der Eigenschaft einer Superelastizität sind besonders bedeutend bei Herzklappen und Stents. „Die amorphen Metalle haben wiederum Potenzial für die Herstellung von größeren, komplexen Bauteilen im Leichtbau sowie der Luft- und Raumfahrttechnik, aber auch in der Medizintechnik sind amorphe Metalle im Instrumentenbereich vielleicht interessant“, so Kastenmayer. 

Philipp Albrecht, Applikationsingenieur der Burgmaier Technologies GmbH & Co. KG, zeigte an einem Anwendungsbeispiel einige Grundprinzipien der additiven Fertigung, die sich leicht auf die Medizintechnik übertragen lassen. Anhand der Düsenpratze mit Kühlmittelführung, ein Bearbeitungswerkzeug für die Zerspanung, zeigte Albrecht wie die additive Fertigung eine hohe Designfreiheit und gleichzeitig eine Reduzierung des Gewichtes erlaubt. Eine Übertragung in die Medizintechnik sieht Albrecht vor allem bei Instrumenten mit Medienführung, also Instrumente, die einen Kanal enthalten, um beispielweise Flüssigkeiten abzusaugen. Zusätzlich zu den Fertigungsleistungen bietet Burgmaier Technologies auch Consultingberatung entlang der Prozesskette an.

Das nächste Webinar findet am 15. Juli zum Thema Softwarelösungen, Industrie 4.0-Anwendungen und Digitalisierung statt. Zur Anmeldung geht es hier.

Quelle: Medtech Zwo

 

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