Auswirkungen der MDR auf Übersetzung und Dokumentation - ein Interview

17.12.2018 - 13:09

Beim Thema MDR sind noch viele Fragen offen. Anja Gebauer verantwortet den internationalen Vertrieb der Transline Deutschland GmbH und empfiehlt betroffenen Unternehmen schon heute, sich frühzeitig mit den eigenen Übersetzungsprozessen auseinanderzusetzen, da der Umfang und die Vielfalt an Übersetzungen zunehmen werden.

Frau Gebauer, Sie verantworten den internationalen Vertrieb der Transline Deutschland GmbH und stellen mit Ihrem Team im Mai 2019 auf der T4M aus. Welche drei Attribute beschreiben Transline?

  • Zuverlässiger Partner für Übersetzungen und Language Consulting
  • Über 32 Jahre gewachsenes Know-how und Prozesskompetenz
  • 130 zufriedene Mitarbeiter weltweit bieten Service mit Leidenschaft

Welche besonderen Anforderungen haben Unternehmen der Medizintechnikbranche an Übersetzungen im Vergleich zu weniger regulierten Märkten?

Natürlich spielt in der Medizintechnik die Durchlaufzeit, aufgrund der „time-to-markets“, der Produktlebenszyklen und des hohen Wettbewerbs, eine genauso wichtige Rolle, wie in anderen Branchen. Besonderen Druck verspüren Medizintechnikunternehmen im Bereich der Sprach- bzw. Übersetzungsqualität. Denn eine fehlerhafte Übersetzung kann fatale Folgen haben.

Ein entscheidender Faktor ist auch die Vielzahl an verschiedenen Sprachversionen. Hintergrund hierfür ist, dass Benutzerinformationen immer in der offiziellen Landessprache vorliegen müssen, bevor ein Produkt dort auf den Markt gebracht werden darf. Dies stellt viele Unternehmen vor eine organisatorische Herausforderung. Da immer die passenden Übersetzer zu finden, erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrungswissen – und natürlich den Zugriff auf ein großes Netzwerk.

Vor welche spezifischen Herausforderungen stellt Sie die Medizintechnikbranche? Hat das Einfluss auf Ihre Übersetzungsprozesse, Lieferanten usw.?

Für viele unserer Kunden ist die neue EU-Medizinprodukteversordnung MDR leider vor allem mit viel Ungewissheit und Unsicherheit verbunden. Die Übersetzung macht zwar nur einen kleinen Teil der neuen Verordnung aus, kann aber aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen große Auswirkungen haben. Wo zuvor vielleicht 50 Seiten Dokumentation ausreichten, werden jetzt über 150 Seiten notwendig. Das schlägt sich im Aufwand und im Budget nieder. Daher ist es absolut empfehlenswert, sich früh mit der Thematik auseinander zu setzen und zu prüfen, wie ein schlauer Prozess dabei helfen kann. Viele unserer Kunden sind schon sehr gut aufgestellt und müssen nur geringfügige Anpassungen vornehmen, um den Anforderungen der MDR gerecht zu werden. Andere Unternehmen trifft die Verordnung mehr.

Texte aus verschiedenen Unternehmensbereichen wie bspw. Dokumentation, Entwicklung und Marketing müssen übersetzt werden. Woher wissen Sie, wer für den jeweiligen Auftrag am besten geeignet ist?

Transline ist zertifiziert nach ISO 17100 und ISO 9001. Unser Prozess bei der Übersetzerauswahl ist seit jeher sehr streng: Im Zuge des „Onboarding“ fragen wir alle relevanten Qualitätskriterien ab und führen zusätzlich umfangreiche Probeübersetzungen mit dem Übersetzer oder der Übersetzungsagentur durch. Dabei prüfen wir, ob der Bewerber im angegebenen Fachgebiet unseren Ansprüchen gerecht wird und für welche Textart er oder sie geeignet ist. Laufen dann die ersten Aufträge, unterliegt der neue Lieferant strengen Prüfmaßnahmen, bis er sich bewährt und als zuverlässiger Partner in unserem Bewertungssystem etabliert hat.

Doch darüber hinaus müssen wir auch ganz individuell auf die Anforderungen des jeweiligen Auftraggebers eingehen, in engem Kontakt bleiben und herausfinden, was ihm wichtig ist – Stilvorgaben, Fachterminologie und vieles mehr spielen eine wesentliche Rolle.

Bei einer rein technischen Übersetzung muss der Fachübersetzer beispielsweise strukturiert schreiben, die entsprechende Fach- und Firmenterminologie beherrschen und darf keine blumigen Ausführungen machen. Für die Projektabwicklung wiederum bedeutet das schnelle Durchlaufzeiten durch standardisierte und weitgehend automatisierte Prozesse.

Sie haben sich für eine Ausstellung im Rahmen der T4M entschieden. Warum? Wann würden Sie sagen, dass sich eine Beteiligung für Sie gelohnt hat?

Der Bereich Medizintechnik wächst bei uns stetig, einige große namhafte Kunden vertrauen bereits auf unsere Expertise. Da wollen wir natürlich auch auf einer solchen Fachmesse nicht fehlen. Hinzu kommt die örtliche Nähe: Unser Hauptsitz in Reutlingen liegt nur einen Katzensprung von der Stuttgarter Messe entfernt. Eines der Schwerpunktthemen bei der T4M ist ja zudem die MDR und das passt gut zu uns, da wir uns schon länger damit beschäftigen. Für uns ist die Messe also eine Chance, unser Know-how unter Beweis zu stellen – und für die Besucher eine gute Gelegenheit, Transline als Full-Service-Dienstleister für Fachübersetzung und Language Consulting kennenzulernen. Die Gelegenheit, im direkten Dialog und beim fachlichen Austausch mit Mitarbeitern interessanter Unternehmen neue Impulse zu erhalten, ist für uns schon jetzt ein Gewinn.

Wir haben erfahren, dass Sie hier auf dem Messegelände bereits Aussteller im Rahmen der tekom-Jahrestagung waren. War die EU MDR dort ein Thema? Welche Stimmung haben Sie verspürt?

Es gab schon Vorträge zum Thema MDR, allerdings nicht im Bereich Übersetzung. Dafür ist es vermutlich noch zu früh. Aktuell gibt es in Deutschland eine Task Force für die Umsetzung der MDR, in der alle relevanten Behörden und Verbände zusammenarbeiten. Abgeschlossen ist die Arbeit aber noch nicht, daher sind auch noch viele Fragen offen.

Grundsätzlich fühlten sich technische Redakteure der Medizintechnik-Branche auf der tekom-Tagung nicht optimal vertreten, so ein Feedback unserer Kunden. Der Maschinenbau ist dort recht dominant, während die Medizintechnik allenfalls am Rande in Erscheinung tritt.

Ein Satz. Worauf dürfen sich die Besucher am Transline-Stand auf der T4M besonders freuen?

Professionelle Beratung zum Übersetzungsprozess im Kontext der MDR – und ein freundliches engagiertes Team, das sich auf spannende Gespräche freut.

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