5 Fragen an Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky

05.11.2018 - 07:53

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky leitet das größte, unabhängige Zukunftsinstitut Europas „2b AHEAD“. Auf der T4M nimmt der Zukunftsforscher sein Publikum mit ins Jahr 2030 und zeigt, welche unternehmerischen Chancen es für die Innovatoren in diesem Land gibt, wie man sich von der Mehrheit der Bedenkenträger abheben und seinen Kunden einen bislang ungeahnten Mehrwert bringen kann. Im Interview gibt er uns bereits jetzt Einblicke.

1.    Herr Jánszky, welche Attribute beschreiben Sie als Mensch am besten?
Neugierig, strategisch, freiheitsliebend.


2.    Wie kamen Sie dazu, Zukunftsforscher zu werden und wie lange machen Sie das schon?
Ich habe mein Institut vor 17 Jahren gegründet. Inzwischen sind wir das größte, unabhängige Zukunftsinstitut Europas. Viele unserer heutigen Mitarbeiter haben einfach Zukunftsforschung studiert. Zu meinen Zeiten war das noch nicht möglich. Ich bin zuerst Journalist geworden und habe mehr als zehn Jahre in der ARD gearbeitet. Dann bewegte sich dort nichts mehr. Da habe ich gekündigt und über zwei bis drei Umwege das heutige „2b AHEAD“ Institut gegründet.


3.    Wie kamen Sie zum Spezialthema Medizintechnik? Was ist das Besondere oder Herausfordernde daran?
Für uns Zukunftsforscher ist die Gesundheit der Menschen die Branche mit dem größten Veränderungspotenzial in den kommenden zehn Jahren. Der Grund ist sehr einfach: Der menschliche Körper ist einerseits der wertvollste Gegenstand in der Welt. Andererseits ist er noch nicht in Echtzeit durchmessen. Sobald aber Echtzeitdaten aus dem Körper in jeder Sekunde zur Verfügung stehen, werden riesige neue Geschäftsmodelle der Optimierung und Prädiktion entstehen. Dies passiert in den nächsten Jahren.


4.    Werfen wir einen Blick auf aktuelle Trends. Die additive Fertigung – also der industrielle 3D-Druck – gilt als großer technischer Fortschritt. Was glauben Sie: Wohin wird uns diese Technologie in der Medizin führen?
Ganz eindeutig zu Ersatzteilorganen und Medical Food. Während es bis zur Massenproduktion von Herzen und Lebern durch Tissue Engineering in 3D-Druckern wohl noch 20 bis 30 Jahre braucht, wird unser Essen schon in zehn Jahren durch 3D-Drucker adaptiv produziert werden können. Adaptiv bedeutet: Es wird individuell und situativ angepasst. Wenn Ihr Gesundheitsassistent erkennt, dass sich Ihre Werte verschlechtern, bekommen sie vom 3D-Drucker genau jene Dosis an Bakterien-Cocktails in den Joghurt, die Milch, das Fleisch oder den Käse gedruckt, die ihr Körper benötigt, um zu genesen. Dieses Medical Food wird für eine deutliche Lebensverlängerung sorgen, schon innerhalb der nächsten zehn Jahre.


5.    Welche Rolle spielt der Patient bei der technischen Weiterentwicklung in der Medizintechnik? Welchen Einfluss hat er?
Er bekommt zunächst seine Körperdaten in die Hand. Sobald der Patient die Echtzeitdaten aus seinem Körper hat, wird er entscheiden, wem er seine Daten anvertraut, damit er wieder gesund gemacht wird. In den meisten Fällen werden das nicht die Ärzte sein. Insofern hat der Patient die Hauptrolle. Aber das Wichtige ist: Er ist dann kein kleiner, passiver Patient und der Arzt kein Experte mehr. Der Patient ist dann der souveräne Kunde und der Arzt der Dienstleister … einer von vielen Dienstleistern im Gesundheitsnetz eines Kunden.

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