MS Techniques im Interview

28.03.2019 - 09:00

MS Techniques ist bei der Premiere der T4M als Aussteller dabei. Wir haben Etienne MALHER, CEO des Zulieferers für Medizintechnik zum Interview gebeten. Welche aktuellen Trends sieht er im Markt und welchen Herausforderungen nichtzuletzt durch neue EU-Richtlinien (MDR) muss sich sein Unternehmen derzeit stellen ...

Wer ist MS Techniques?

MS Techniques liefert High-Tech-Schläuche an Hersteller von Medizinprodukten. 50 Mitarbeiter, Strangpressen-Bediener, Ingenieure und Experten für Qualitätssicherung arbeiten zusammen, um Service höchster Qualität zu gewährleisten. Wir sind ein privates Unternehmen, das 1992 gegründet wurde.

Welchen Herausforderungen und Problemen muss sich Ihre Zielgruppe stellen und welche Lösungen halten Sie für Ihre Kunden bereit?
Unsere Kunden sehen sich einerseits regulatorischen und andererseits technischen Herausforderungen gegenüber. Bei technischen Aufgabenstellungen arbeiten wir mit unseren Kunden von der Konzeptionsphase an eng zusammen, um für die gewünschten Eigenschaften wie Elastizität/Steifheit, Anzugsmoment, Druckbeständigkeit, Knickstabilität usw. die richtigen Materialien und Schlauchstrukturen auszuwählen. Regulatorische Anforderungen stehen allerdings oft über allen anderen Erwägungen. Auf diesem Gebiet unterstützt MS Techniques seine Kunden, alle regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, die mit den Produkten einhergehen.

MS Techniques ist auch stark im Export. Sie erzielen fast zwei Drittel Ihres Umsatzes mit dem Export nach Europa und Asien. Welche Länder sind dabei für Sie besonders wichtig und warum?

Die wichtigsten Hersteller von Medizinprodukten sind in den USA angesiedelt und haben gut etablierte Lieferanten. Daher haben wir uns von Beginn an auf neue Märkte konzentriert, die sich erst entwickeln.
Der europäische Markt ist einer von ihnen, und uns am nächsten. Deutschland ist offenkundig der größte Markt in Europa, aber Italien, Frankreich und Großbritannien nehmen auch eine interessante Entwicklung, und auch in Spanien und den Ländern Mitteleuropas entstehen neue Märkte.

Asien ist ebenfalls ein faszinierender Markt. China aufgrund seiner boomenden Wirtschaft, Korea wegen seiner stark wettbewerbsorientierten Unternehmen und Japan dank seiner Leidenschaft für Technologie.

Wie könnte sich der Absatzmarkt in den nächsten fünf Jahren verändern, und wo sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Die Ablösung der klassischen Chirurgie durch minimal invasive Methoden wird auch in den kommenden Jahren der wichtigste Faktor in der Marktentwicklung bleiben. Sie reicht in alle medizinischen Teilbereiche. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Ersetzung komplexer Geräte wie dem Endoskop durch Einwegprodukte.

Als Hersteller chirurgischer Ausrüstungen befinden Sie sich in einem ganz besonderen Bereich von Produkten und Lösungen, wobei die Produktionsprozesse besonders strengen Auflagen und Standards unterliegen. Welche Bedeutung haben die Anforderungen der neuen EU-Richtlinien (MDR) für Sie?

Ich glaube, dass die neuen EU-Richtlinien eine Chance sind für das Regulierungsgeschäft, z.B. Werkstoffprüfung, klinische Evaluierung und benannte Stellen, aber eine Katastrophe für kleine Hersteller die auf dem Altar der so genannten „Sicherheit“ geopfert werden. Innovative Produkte, die seit Jahren ohne Vorfälle im Umlauf sind, werden bald vom Markt verschwinden, weil die Kosten für die geforderten klinischen Tests zu hoch sind. Neue Technologien werden hauptsächlich von kleinen Unternehmen entwickelt und dann von den großen übernommen. MDR ist ein Rückschlag für Innovationen, zumindest in Europa, und sie wird zu einem allgemeinen Preisanstieg bei medizinischen Geräten führen.

Sie betreiben bei Bedarf auch Entwicklungsarbeit mit Ihren jeweiligen Partnern, richtig? Wo sehen Sie die Herausforderungen für Ingenieure und Techniker während der Projekt- und Forschungsphase?

Die Entwicklung neuer Geräte für unsere Partner erfolgt mit unserem Schwesterunternehmen Transluminal, das am gleichen Standort angesiedelt ist und den Vorteil einer Extrusionsanlage auf dem Gelände bietet.

Es ist unsere Pflicht, eine innovative Lösung für die jeweilige Aufgabenstellung unserer Kunden zu finden, und meiner Meinung nach die einfachste. Um effektiv zu sein, müssen Ingenieure und Techniker einem gut markierten Weg folgen: jeden Schritt validieren, in den Unterlagen dokumentieren, und den Herstellungsprozess bewerten. Die Reaktionszeit ist das zentrale Element der Auftragsabwicklung. Investoren sind das Damokles-Schwert über dem Entwicklungsprojekt, „Zeit ist Geld“ ist das vorherrschende Motto. Es liegt in unserer Verantwortung, den Kunden davor zu bewahren, wichtige Prozesse abzukürzen oder das Projekt falsch anzupacken. Projekte unterliegen immer einer Stop-and-go Dynamik: es dauert, bis der Kunde seine Bewertung abgibt, aber dann muss sehr schnell der nächste Schritt folgen.

Sie stellen auf der Premiere der T4M - Technology for Medical Devices aus. Worauf können sich die Besucher an Ihrem Stand freuen?

Die T4M findet in unmittelbarer Nachbarschaft zu vielen Medizintechnik-Unternehmen statt an einem Standort, der vom größten Teil Westeuropas aus bestens zu erreichen ist. An unserem Stand erwarten die Besucher Antworten für ihre technischen Probleme. Sie werden Lösungen für ihre Neuentwicklungen finden und Muster unserer Produktion. So effektiv die Kommunikationsmittel auch sein mögen, nichts ersetzt den persönlichen Kontakt zum Kunden.

Wir bedanken uns für das Interview.

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