Quantensichere Kommunikation zum Anfassen: Michael Hahn von duotec im Interview
Sie haben den Quantum Effects Award 2025 in der Kategorie Quantenkommunikation & -netzwerke gewonnen. Was hat diese Auszeichnung für duotec bedeutet – für Ihr Unternehmen, Ihr Team und Ihre Sichtbarkeit im Markt?
Für uns ist die Auszeichnung mit dem Quantum Effects Award 2025 eine ganz besondere. Unser Team hat viel Energie in das Projekt gesteckt. Diese Auszeichnung gibt uns die Bestätigung, dass wir an den richtigen Themen arbeiten und zusätzlichen Ansporn, uns in diesem Zukunftsfeld weiter zu engagieren.
Mit Ihrem prämierten QKD-Sensor wollen Sie den Weg von der Forschung in die Anwendung verkürzen. Was genau ist die Idee hinter dieser Lösung – einfach erklärt?
Unser Sensor ist ideal für Quantensicherer Verschlüsselung: Quantum Key Distribution. Das Prinzip: Man nutzt Licht -Photonen - um Schlüssel zu übertragen. Hierfür werden 4 Polarisationsrichtungen des Lichts verwendet. Photonen werden mit einer zufälligen Polarisationsrichtung versendet und auf der anderen Seite empfangen. Das wiederholt man ganz häufig und erhält somit die Basis zur Erzeugung eines Schlüssels. Unser Sensor vereint alle 4 Polarisationsrichtungen in einer Komponente und hat dabei gerade Mal die Größe eine Cent Münze.
Zur Messe letztes Jahr haben wir schon unseren Prototypen für einen Time Tagger gezeigt. Damit sind wir sogar in der Lage im Pikosekundenbereich einen Zeitstempel zu setzen, wann das Photon empfangen wurde. Beides sind integrale Bestandteile von QKD und gehören im Signal-Pfad eng zusammen. Darum hat unser Team noch einen drauf gesetzt und den QKD-Sensor, der mit Signalaufbereitung und Kühlung ausgestattet ist, mit dem Time Tagger zu einer integrierbaren Komponente vereint.
Wann hatten Sie bei diesem Projekt zum ersten Mal das Gefühl: Das ist nicht nur eine spannende Idee, daraus kann wirklich ein Produkt werden?
Wenn ihr Team für ein Thema ungebremste Begeisterung versprüht, dann sollte man genau hinhören. Da muss was dran sein. Sie sprudelten nur so vor Ideen, was man damit alles machen könnte. Damit war schnell klar, darüber müssen wir näher nachdenken. Und mit dem Q-Day vor uns, war für uns klar, hier müssen wir vorne mit dabei sein.
Quantenkommunikation gilt als Zukunftstechnologie, ist für viele Unternehmen aber noch schwer greifbar. Wo sehen Sie heute schon konkrete Einsatzmöglichkeiten?
Immer wenn sensible Daten versendet werden, muss man sich die Frage stellen, wie man diese Daten vor fremdem Zugriff schützt. Gerade bei der Übertragung der Daten über das Internet können diese Informationen leicht abgehört und mitgeschrieben werden. Mit QKD kann man schon heute Daten verschlüsseln um sicher zu sein, dass diese auch in Zukunft nicht unerlaubt entschlüsselt werden können.
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Quantenkommunikation schneller in die Praxis kommt – technologisch, wirtschaftlich und auf Seiten potenzieller Anwender?
In erster Linie braucht es Mut zur Anwendung. Wir müssen noch viele Praxis-Erfahrungen sammeln bis die Technologie in der Breite Einsatz finden wird. Ein weiterer Aspekt ist Miniaturisierung. Denken Sie zum Beispiel an Satelliten. Diese werden immer kleiner. Technologie, die sichere Kommunikation ermöglicht und gleichzeitig den Grössenanforderungen gerecht wird, ist wichtig.
Was hat sich bei duotec seit dem Gewinn des Quantum Effects Award konkret getan? Gab es neue Gespräche, Partnerschaften oder Entwicklungen, die durch die Auszeichnung angestoßen wurden?
Auf der Quantum Effects in Stuttgart haben wir dies sofort spüren können. Wir hatten damals einen Stand auf der Messe gemeinsam mit EIN Quantum.NRW. Nach der Verleihung hat sich die Zahl der Besucher erheblich gesteigert. Und seien wir Mal ehrlich. Wenn man einen Award gewinnt, ist man auch stolz darauf und zeigt ihn gerne. Das haben wir sehr gerne getan und natürlich auch viel Anerkennung dafür erhalten.
Viele Unternehmen interessieren sich für quantensichere Kommunikation, zögern aber noch beim Einstieg. Was würden Sie Industrieanwendern heute raten?
In kleinen Schritten starten und Erfahrungen sammeln. Warten ist keine Option. Es können heute schon Daten mitgeschnitten werden, die zu einem späteren Zeitpunkt entschlüsselt werden können. Mit der Steigerung der Rechenleistung im Bereich der Quantencomputern ist eine Entschlüsselung in relevanten Zeiträumen möglich. Sich erst dann damit zu beschäftigen ist zu spät.
Mit Blick auf die Quantum Effects 2026: Warum lohnt es sich für Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen, sich jetzt für den Award zu bewerben?
Allein der Prozess zur Beantragung ist es schon wert. Es macht viel Spaß sich aus einer anderen Perspektive mit dem eigenen, neuen, innovativen Produkt zu beschäftigen. Wir mussten uns mit der Frage beschäftigen, wie erzähle ich den Impact wenn meine Zielgruppe nicht der Kunde ist. Das erzeugt viele neue Erkenntnisse.
Und dann ist da der Nervenkitzel bis man erfährt, dass man gewonnen hat. Im Unternehmen ist richtige Aufbruchstimmung aufgekommen. Mein persönliches Highlight war dann das Team auf der Bühne zu sehen. Das hat mich sehr stolz gemacht. Und ich glaube das Team war es auch, als sie oben standen. :-)
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