80 Jahre Messe Stuttgart – eine Erfolgsgeschichte

25.05.2020 - 10:54

Runder Geburtstag in der Krise, gefeiert wird im Stillen – Blick zurück auf eine wechselvolle Zeit mit vielen Highlights

Am 28. Mai 2020 wird die Messe Stuttgart 80 Jahre alt. Während der Corona-Pandemie verbieten sich größere Feierlichkeiten. „Mitarbeiter und Geschäftsführung können nur im Homeoffice virtuell feiern. Aber wir dürfen uns durchaus zu dem gratulieren, was in dieser langen Zeit geleistet wurde und wofür die Messe Stuttgart heute steht: Sie ist ein unverzichtbares Schaufenster der Wirtschaftskraft des Landes Baden-Württemberg und Innovationsplattform für neue Entwicklungen aus aller Welt. Gerade jetzt, für das Wiederanlaufen der Wirtschaft, werden die für viele Branchen geschaffenen erfolgreichen Messe-Plattformen besonders wertvoll sein“, betont Roland Bleinroth, Sprecher der Geschäftsführung der Messe Stuttgart.

Das Jahr 2020 sollte eigentlich einen neuen Meilenstein in der Geschichte der Messe Stuttgart markieren. Mit rund 200 Millionen Euro Umsatz in der Konzerngruppe wäre es das erfolgreichste Geschäftsjahr überhaupt geworden. Wäre, wenn nicht eine Pandemie die Welt zum Stillstand gezwungen hätte. „Wir wissen, Stand heute, nicht, mit welchen Auflagen, wann wir wieder Veranstaltungen durchführen dürfen, aber wir hoffen sehr, dass dies in diesem Herbst noch der Fall sein wird“, sagt Stefan Lohnert, ebenfalls Geschäftsführer der Messe Stuttgart. Seit 1. April hat die Messe Stuttgart Kurzarbeit angemeldet und geplante Neuinvestitionen auf dem Messegelände erst einmal auf Eis gelegt. Entmutigt ist aber niemand. Die Mitarbeiter arbeiten so weit möglich im Homeoffice und arbeiten bereits intensiv für den Neubeginn.

Mit widrigen Umständen musste sich die Messe Stuttgart schon früher auseinandersetzen, was der Blick in ihre Geschichte zeigt. Mitten im zweiten Weltkrieg, im Mai 1940, wurde die „Stuttgarter Handelshof AG, Ausstellungs- und Tagungsstelle“ in die „Stuttgarter Ausstellungs GmbH“ umgewandelt. Der förmliche Verwaltungsakt des Gemeinderats besiegelte schließlich am 28. Mai 1940 die Umwandlung, deshalb gilt dieser Tag als offizieller Gründungstag der Messe Stuttgart. Später wurde die Gesellschaft in „Stuttgarter Messe- und Kongressgesellschaft mbH“ umbenannt. Während des Krieges gab es auf dem Killesberg nur wenige kleinere Ausstellungen, bevor das Gelände für die ehemalige Reichsgartenschau durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Es folgte der Wiederaufbau, auf dem Killesberg wurden die großen Hallen zur „Deutschen Gartenschau“ errichtet. Ein Großereignis nach dem Krieg und erstes Highlight der 1950er Jahre, in denen der Messebetrieb erst so richtig durchstartete. In den Folgejahren fanden die ersten großen Ausstellungen statt, darunter die „Deutsche Turn- und Sport-Ausstellung“, die „Deutsche Apotheken- und Arzneimittel-Ausstellung", die erste Bäckereifachausstellung (die heutige  „Südback“) und die Fleischerei-Ausstellung „Süffa“, die immer noch im festen Turnus regelmäßig stattfindet. Und auch die heutige „Intergastra“ gab es damals schon, unter dem Namen „Internationale Fachausstellung für das Hotel- und Gaststättengewerbe - Gastlicher Süden“ (1958). Zu den Veranstaltungs-Highlights dieser Dekade gehörten neben der „Deutschen Gartenschau“ auch Box- und Leichtathletik-Länderkämpfe sowie der Auftritt des „Rock’n-Roll-Königs“ Bill Haley (1958).

In den 60er-Jahren fand die „Deutsche Funkausstellung“ zwei Mal (1965 / 1969) auf dem Messegelände statt. Es etablierte sich die „Motor-Sport-Freizeit (MSF)“, Vorläufermesse der heutigen „CMT“. Und auch die Rollladenfachmesse „R“, heute als Weltleitmesse für Rollladen, Türen/Tore und Sonnenschutz „R+T“ bekannt, datiert in diese Zeit zurück.

Ab den 70ern fanden dann regelmäßig die „CMT“ und die „Medizin“ statt, die „Interbad“ wurde zum ersten Mal in Stuttgart veranstaltet. Die „Elektro-Hobby“ und „Modell Süd“, heute Teil des „Messeherbstes“, etablierten sich ebenfalls. Premium-Fachmessen wie die „AMB“ und „Vision“ sind seit den 80er-Jahren ein fester Bestandteil des Portfolios der Messe Stuttgart. Erstmals findet auch die Bildungsmesse „didacta“ statt.

Die digitale Welt formierte sich langsam und nahm dann in den 90er-Jahren an Fahrt auf. Entsprechend erweiterte sich das Messeprogramm um eine „digital & online 1. Kongress + Fachausstellung für interaktive Multimediaanwendungen“ und später um den „Multimedia-Market & Kongress“. Zusätzlich entstanden viele weitere Messen für neue Technologien, wie beispielsweise 1994 die „Microengineering 1. Ausstellung und Kongress für Mikrosysteme und Präzisionstechnik“. In diese Dekade fielen auch erste Veranstaltungen in Dresden und Leipzig, die zu diesem Zeitpunkt wieder möglich wurden, darunter eine „Sachsenback“ und eine „Fachdental Leipzig“.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Wachstum der Messe Stuttgart nicht mehr aufzuhalten und die Platzproblematik am Standort Killesberg wurde immer offensichtlicher. „Mehrere Messen stießen an ihre räumlichen Grenzen, wir verloren aufgrund der beengten Platzverhältnisse sogar Veranstaltungen“, berichtet Bleinroth rückblickend. Schnell war klar, dass nur ein Neubau den Ansprüchen an ein zeitgemäßes Messegelände mit entsprechendem Kongressbereich genügen und Veranstaltungen am Standort Stuttgart würde halten können. Der Killesberg war zu klein geworden und von der Verkehrslogistik und Infrastruktur her nicht geeignet für internationale Messen. Bei der Standortsuche wurde man auf den Fildern, genauer gesagt auf der Gemarkung der Gemeinde Leinfelden-Echterdingen beim Flughafen, fündig. Zu Beginn gab es große Widerstände gegen das Projekt, ein jahrelanger, erbitterter Rechtsstreit sollte folgen, bis die „Neue Messe Stuttgart“ dann alle Hürden meistern konnte.

Schließlich durfte gebaut werden und im Oktober 2007 erfolgte mit einem großen Festakt die feierliche Eröffnung der Messe Stuttgart durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Drei Tage lang durften sich danach Besucher aus nah und fern die Messehallen anschauen, in denen eine ganz besondere, kostenlose Ausstellung stattfand: Speziell zur Eröffnung präsentierten sich Unternehmen aus den unterschiedlichen Branchen mit ihren Produkten und Dienstleistungen. Die Ausstellungsfläche war nun mit 105.200 Quadratmetern etwa doppelt so groß wie auf dem Killesberg und sie war bei den Flaggschiff-Messen schnell komplett ausgebucht. Der aufgestaute Bedarf in vielen Branchen war offensichtlich noch größer, als dies vorhersehbar gewesen war.

Spätestens da waren die Vorbehalte gegen die neue Messe einer großen Begeisterung gewichen. „Die Stadt Leinfelden-Echterdingen firmierte sich sogar in ‚Messestadt‘ um. Ein schönes Zeichen der Identifikation mit unserem Tun“, freut sich Lohnert über die heute harmonische und respektvolle Nachbarschaft, die sich auch zu den anderen Fildergemeinden entwickelte. Auf deren Gemarkungen sind seither viele neue Hotels entstanden, die Messebesucher und -aussteller beherbergen. Mehr noch, es profitieren auch die wachsende Gastronomie, das Taxigewerbe und der Einzelhandel; Kultur- und Freizeitangebote werden bei Businesstrips ebenfalls gerne in Anspruch genommen. „Deshalb ist es nicht nur für die von unseren Messen abgedeckten Branchen und die Messe Stuttgart selber, wichtig, dass der Messebetrieb wieder starten darf, sondern auch für unser zahlreichen Dienstleister und unser Umfeld“, mahnt Bleinroth.

Den nächsten Schritt in Richtung Expansion markierte die Gründungen ausländischer Tochtergesellschaften. 2009 gründete die Messe Stuttgart eine türkische Messetochter, die heute Messe Stuttgart Ares heißt, in kurzer Zeit zu einem Marktführer in der Region wurde und dort einige der Stuttgarter Messethemen lokal abbildet. Im Zukunftsmarkt China folgt 2011 ein Joint Venture mit der Betreibergesellschaft der Messe Nanjing. Es folgte eine sehr dynamische und erfolgreiche Entwicklung zahlreicher Messethemen. Seit August 2013 gibt es überdies eine Tochtergesellschaft in den USA, die mit Messen zum Thema Nachhaltigkeit an den Start ging. Mit dem verstärkten Auslandsgeschäft wuchs die internationale Beteiligung auf den Leitmessen in Stuttgart spürbar und überproportional an – sehr zur Freude vor allem der mittelständischen Aussteller, für die „ihr Schaufenster zur Welt“ oft geschäftlich unverzichtbar ist.

Mit der selbst alle ambitionierten Erwartungen übertreffenden Entwicklung stieß die Messe Stuttgart an ihrem neuen Standort schon bald wieder an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen, weshalb der Bau einer zehnten Messehalle forciert und die im Januar 2018 pünktlich zur CMT eröffnet wurde. Mit ihr wuchs die Ausstellungsfläche der Messe Stuttgart auf aktuell 120.000 Quadratmeter.

Derzeit finden rund um die Messe Stuttgart erneut wichtige Bauarbeiten statt. „Schon heute haben wir von der Verkehrsinfrastruktur her einen der wenigen Messeplätze weltweit mit einer idealen Erreichbarkeit“, sagt Lohnert. Das Gelände hat eine direkte Anbindung an den Flughafen Stuttgart, die Autobahn A8 und die Bundesstraße B27. Die S-Bahn bringt Aussteller und Besucher von der Stuttgarter Innenstadt in zirka 30 Minuten zur Ausstellungs- und Kongresswelt. Bis Ende 2021 wird ein U-Bahnanschluss folgen und im Zuge des Bahnprojektes Stuttgart 21 wird es in absehbarer Zeit auch einen Fernbahnhof direkt am Messegelände geben.

Die Messe Stuttgart war und ist Trendsetter und bildet die Marktentwicklungen ab. Sie bringt Angebot und Nachfrage zusammen. „Das persönliche Gespräch lässt sich nicht durch digitale Tools ersetzen, wohl ergänzen digitale Plattformen aber zunehmend die Reichweite unser Messen“, weiß Bleinroth.

Wichtig ist den Messemachern aber nicht nur das Geschäft von heute, sondern auch die Welt von morgen. Umweltfragen und Klimaneutralität bewegen die Messe Stuttgart seit jeher. Auf ihren Dächern sind Solarzellen installiert, und das preisgekrönte Schichtlüftungssystem sorgt für Energieersparnis bei erhöhtem Komfort. Aussteller und Besucher können ihre Elektroautos - und seit kurzem auch ihre E-Bikes - an Stromtankstellen auf dem Messegelände kostenlos aufladen. In ihrem Nachhaltigkeitskonzept hat die Messe Stuttgart viele weitere Maßnahmen aufgelistet. „Wir sehen uns in der besonderen Verantwortung, eine führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit im Messe- und Kongresswesen einzunehmen. Auch mit Blick auf zukünftige Generationen“, erklärt Lohnert dazu.

 

 

Bildunterschriften:

UK_20_PM15_Bild_1: Aus den Stuttgarter Publikumsveranstaltungen Motor-Sport-Freizeit (MSF) und Caravan, Camping, Tourismus (CCT) wird 1973 die CMT, hier Besucher in den alten Messehallen am Stuttgarter Killesberg 1968. (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

UK_20_PM15_Bild_2: Stefan Lohnert (links) und Roland Bleinroth, die Geschäftsführer der Messe Stuttgart, zum Jubiläum: „Mitarbeiter und Geschäftsführung können nur im Homeoffice das Glas erheben. Aber wir dürfen uns durchaus zu dem gratulieren, was in dieser langen Zeit geleistet wurde und wofür die Messe Stuttgart heute steht.“ (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

UK_20_PM15_Bild_3: Ein historisches Plakat der Vorläufermesse der CMT, der Motor-Sport-Freizeit, aus den 70er Jahren. (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

UK_20_PM15_Bild_4: Luftbild des alten Messegeländes, das sich inmitten eines Wohngebietes und direkt am Killesbergpark befand. (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

UK_20_PM15_Bild_5: Eröffnung der „Neuen Messe Stuttgart“ im Oktober 2007 durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler (vorne, winkend). (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

UK_20_PM15_Bild_6: Das Messegelände heute: Mit ihren geschwungenen Dächern schmiegen sich die neuen Messehallen harmonisch in die terrassierte Filderlandschaft. (Bildnachweis: Messe Stuttgart) 

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