Thermische Prozesse neu denken: Rehm über die vernetzte Elektronikfertigung
Rehm Thermal Systems ist Spezialist für Verbindungstechnologien in den Bereichen Löten, Trocknen und Beschichten. Welche Veränderungen in der Elektronikfertigung prägen die Nachfrage Ihrer Kunden derzeit besonders stark?
Dr. Paul Wild: Unsere Kunden suchen vor allem nach flexiblen, vernetzten und ressourceneffizienten Lösungen, die auch bei steigender Produktvielfalt eine stabile Qualität gewährleisten. Dabei stehen niedrige Gesamtbetriebskosten (TCO), eine hohe Anlagenverfügbarkeit und die flexible Anpassung an unterschiedliche Produkte und Produktionsvolumina im Mittelpunkt.
Thermische Prozesse müssen hohe Qualität und Reproduzierbarkeit sichern, zugleich aber energie- und ressourceneffizient arbeiten. Wie lassen sich diese Anforderungen miteinander verbinden – und an welchen Stellschrauben liegt aktuell das größte Potenzial?
Dr. Paul Wild: Qualität und Effizienz lassen sich durch das Zusammenspiel von Anlagentechnik, Prozessführung und Software verbinden. Potenziale bieten eine optimierte Gas- und Wärmeführung, energieeffiziente Antriebe sowie die intelligente Integration der Anlagen in die Produktionsumgebung. Zusätzliche Funktionen wie Eco-Mode und mechatronische Vorhänge reduzieren dabei automatisiert den Ressourcenverbrauch.
Mit der Condenso Formic Acid bietet Rehm eine Lösung für das Löten mit flussmittelfreien Lotpasten. Auf welche Herausforderungen in der Fertigung antwortet dieses Konzept, und für welche Anwendungen ist es besonders interessant?
Dr. Paul Wild: Die Ameisensäure-Technologie aktiviert die Fügeflächen ohne klassisches Flussmittel und ermöglicht dadurch sehr saubere, porenarme bis nahezu porenfreie Lötverbindungen ohne Flussmittelrückstände. Besonders geeignet ist das Verfahren für anspruchsvolle Anwendungen, beispielsweise das Löten von IGBTs auf Kühlkörper sowie für Advanced Packaging, bei denen höchste Sauberkeit und thermische Performance entscheidend sind.
Miniaturisierung, steigende Packungsdichten und leistungsfähigere elektronische Baugruppen erhöhen die Anforderungen an Löt- und Beschichtungsprozesse. Wo stoßen etablierte Verfahren heute an Grenzen – und welche technologischen Antworten braucht die Branche?
Dr. Paul Wild: Neben der fortschreitenden Miniaturisierung nehmen gleichzeitig Gewicht und Abmessungen vieler Produkte zu – beispielsweise bei leistungsfähigen Serverboards. Gefragt sind daher Lösungen auf Mikro- und Makroebene: eine immer präzisere Prozesskontrolle für kleinste Strukturen bei gleichzeitig größeren Prozessräumen für großformatige und schwere Baugruppen.
Mit ViCON Connect, ViCON App und ViCON Aide stellt Rehm auf der EFX digitale Werkzeuge zur Unterstützung von Prozessen und Fertigungssteuerung vor. An welchen konkreten Punkten im Produktionsalltag schaffen diese Lösungen mehr Transparenz und Prozesssicherheit – und wie verändert sich dadurch die Arbeit der Mitarbeitenden?
Dr. Paul Wild: Die ViCON-Lösungen bündeln relevante Anlagen- und Prozessinformationen, erleichtern den Zugriff auf Zustände und unterstützen bei Bedienung, Analyse und Fertigungssteuerung. Abweichungen werden schneller sichtbar, Entscheidungen nachvollziehbarer und Wissen gezielter verfügbar – die Arbeit verändert sich damit von einer eher reaktiven hin zu einer stärker datenbasierten Prozessführung.
Ein weiterer Schwerpunkt Ihres EFX-Programms sind Linien-Automatisierung und ganzheitlich vernetzte Fertigungslinien. Welche Schnittstellen und Voraussetzungen sind entscheidend, damit aus einzelnen leistungsfähigen Anlagen tatsächlich ein stabiler, durchgängiger Produktionsprozess entsteht?
Dr. Paul Wild: Entscheidend sind standardisierte Schnittstellen wie Hermes und CFX, eindeutige Datenmodelle und die zuverlässige Anbindung an übergeordnete MES-Strukturen. Ebenso wichtig sind eine gemeinsame Prozessauslegung, abgestimmte Taktzeiten und eine durchgängige Inbetriebnahme – denn eine stabile Linie entsteht nicht allein durch leistungsfähige Einzelmaschinen, sondern durch ihr präzises Zusammenspiel.
Rehm widmet sich auf der EFX auch der Qualifizierung von Mitarbeitenden. Welche Kompetenzen werden angesichts stärker automatisierter und digitalisierter Fertigungsprozesse wichtiger – und wie können Unternehmen ihre Teams praxisnah auf diesen Wandel vorbereiten?
Dr. Paul Wild: Wichtiger werden ein fundiertes Prozessverständnis, der sichere Umgang mit digitalen Werkzeugen und die Fähigkeit, Daten richtig zu interpretieren und Lösungen systematisch zu erarbeiten. Wir setzen deshalb auf praxisnahe Qualifizierung an realen Anlagen und Prozessen, die technisches Wissen mit konkreten Aufgaben aus dem Produktionsalltag verbindet.
Rehm begleitet die EFX von Beginn an. Welche Erfahrungen und Anliegen haben Sie in die Entwicklung des Formats eingebracht – und was können Besucherinnen und Besucher am Stand 9C19 sowie bei Ihren Bar Talks und der „Löt-Sprechstunde“ konkret erwarten?
Dr. Paul Wild: Wir haben vor allem unsere weltweiten Erfahrungen aus anderen Messen sowie den Wunsch nach einem neuen Format eingebracht, das Wissenstransfer, die Lösung konkreter Fragestellungen und den persönlichen Austausch eng miteinander verbindet. Am Stand 9C19 erwarten die Besucher konkrete Lösungen rund um Reflowlöten, Beschichten und Trocknen – mit den Schwerpunkten Prozess-Know-how, Automatisierung und vernetzte Linien. In den Bar Talks und der Löt-Sprechstunde können sie zudem eigene Fragestellungen direkt mit unseren Experten diskutieren und konkrete Lösungsansätze mitnehmen.
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