Termin wird bekanntgegeben die Bildungsmesse
08.04.2021 - 11:00

„Wir müssen Technik und Pädagogik zusammendenken“

Welchen Qualifikationen benötigen Lehrkräfte in der Pandemie?

Dr. Thomas  Riecke-Baulecke leitet das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg, das für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften im Land zuständig ist. Im Interview spricht er über die Auswirkungen der Pandemie auf die Lehrerbildung. 

Herr Dr. Riecke-Baulecke, welche Rolle spielt die Lehrerbildung für die Qualität des Unterrichts?
Wir wissen, dass die Lehrerausbildung eine zentrale Rolle spielt. Es kommt vor allem darauf an, im Unterricht herausfordernde Aufgaben für die kognitive Aktivierung zu stellen, den Schülerinnen und Schülern konstruktives Feedback zu geben und die Klasse gut zu führen. Das sind die drei großen Basisdimensionen, die wir in der Lehrerbildung immer wieder thematisieren.

Welche Anpassungen hat es in der Lehrerbildung seit dem Beginn der Pandemie gegeben?
Seit März 2020 haben wir gelernt, die Lehrerbildung digital durchzuführen, egal ob es um Fragestellungen der Kommunikation, des Feedbackgebens oder des Experimentierens im Fach Chemie geht. Ich gehe davon aus, dass die Lehrerbildung die Chancen der digitalen Transformation nicht wieder vergessen wird. Wir haben Teilnehmerzahlen in digitalen Veranstaltungen, die sonst gar nicht möglich wären. Die Kombination von asynchronem und synchronem E-Learning, mit Selbstlernphasen und Kollaborationen über das Land hinweg ist viel einfacher geworden. Das sollten wir beibehalten und natürlich auch mit Präsenzveranstaltungen mischen. 

Inwieweit konnten Sie am Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung die Lehrkräfte in der Pandemie unterstützen?
In digitalen Formaten haben Lehrkräfte zum Beispiel erfahren, wie sie Moodle und Big Blue Button nutzen und darüber individuelles Feedback geben können. Inzwischen arbeiten 650.000 Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler landesweit damit. Es gibt umfassende Fortbildungsmaßnahmen zur Nutzung von Technik, aber auch zu deren pädagogisch sinnvollem Einsatz. Die neue Erkenntnis ist, dass wir die Fortbildung auf beide Aspekte fokussieren müssen. Eine ganz zentrale Herausforderung bei digitalen Medien ist es, diese nicht als Einbahnstraße zu verstehen. Sie eröffnen eine Vielzahl interaktiver Möglichkeiten, bei denen Schülerinnen und Schüler gemeinsam Projekte erarbeiten, Präsentationen durchführen und sich über Aufgabenstellungen austauschen. Guter Unterricht in digitaler Form muss immer dialogorientiert und interaktiv sein.

Was muss der Lehrer der Zukunft, nach der Pandemie, mitbringen?
Das Fundament einer guten Lehrerin, eines guten Lehrers bleibt das fachliche Wissen, kombiniert mit einer guten pädagogisch-psychologischen Kenntnis. Die technischen Kompetenzen müssen hinzukommen. Lehrkräfte sollten in der Nutzung digitaler Medien Vorbilder sein. Eine kritische Haltung setzt voraus, sich auszukennen, zu wissen, was soziale Netzwerke und Lernplattformen sind und wie man mit diesen arbeiten kann. Wir müssen Technik und Pädagogik zusammendenken. Wer heute die technischen Kompetenzen nicht hat, kann nicht mitsprechen. Deswegen sind Lehrerinnen und Lehrer gut beraten, sich in diesen Technologien auszukennen und sich damit zu beschäftigen, welche Entwicklungen bevorstehen.

Würden Sie sagen, dass auch Flexibilität gefordert ist?
Ja, das ist völlig richtig. Da müssen wir unseren Lehrerinnen und Lehrern ein großes Kompliment aussprechen. Sie standen in den letzten zwölf Monaten vor riesigen Herausforderungen. Das gilt insbesondere für die Schulleiterinnen und Schulleiter, die kurzfristig auf Entwicklungen reagieren mussten. Was die Schulgemeinschaft insgesamt geleistet hat, ist wirklich erstaunlich und bewundernswert.

Über die didacta 2021
Die didacta 2021 ist das virtuelle Live-Event für die Bildungsbranche. Vom 10. bis 12. Mai 2021 führt Europas führende Bildungsmesse wieder Lehrkräfte, ErzieherInnen, AusbilderInnen sowie  Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Starke PartnerInnen aus Bildungsinstitutionen, Ministerien, Lehrer- und Fachverbänden und der Bildungswirtschaft sowie innovative BranchenexpertInnen präsentieren auf der Online-Plattform an drei Tagen ihre neuesten Produkte und Bildungskonzepte. Teilnehmende erhalten in Live-Chats Beratung von jedem Ort der Welt. Ein umfassendes Programm mit spannenden Diskussionen, Key Notes und lösungsorientierten Produktpräsentationen thematisiert aktuelle Entwicklungen, bietet Möglichkeiten zum Dialog und zeigt Wege für Gegenwart und Zukunft. Die Veranstaltung wird unterstützt vom Kultusministerium Baden-Württemberg. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2021 finden Sie ab Mitte April unter www.didacta.digital und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. 

Bildmaterial:

dd_21_PM05_001_jpg: Dr. Thomas Riecke-Baulecke leitet das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg.  Bild: Fotofabrik Stuttgart

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