07. - 11.03.2023 die Bildungsmesse
06.04.2021 - 12:00

Partizipation gegen Populismus

Schulen und Hochschulen spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung demokratischer Werte und Kompetenzen.

Um Populismus, Rechtsextremismus und der EU-Skepsis entgegenzutreten, soll die demokratische Bildung stärker in den Fokus des Unterrichts und der Lehrerbildung rücken. Politik und Organisationen entwickeln entsprechende Konzepte für Schulen und Hochschulen. 

„Das Recht junger Menschen auf Gehör, Beteiligung und Mitwirkung wurde in der Krisenzeit kaum gewährleistet.“ Das stellte der im November 2020 veröffentlichte 16. Kinder- und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fest, der der Bundesregierung in jeder Legislaturperiode vorgelegt wird. Dabei gebe es laut Bericht in der Pandemie „zahlreiche Anknüpfungspunkte für das politische Lernen“. Gerade jetzt sei es wichtig, junge Menschen einzubeziehen, wie Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey anlässlich der Veröffentlichung in einer Pressemitteilung betonte: „Die politische Bildung der Jugend ist gerade auch in bewegten Zeiten ein Stützpfeiler unserer Demokratie.“ Sie sei „ein gewichtiger Faktor, um Menschen gegen Hassparolen und Verschwörungsideologien zu immunisieren“.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und ehemalige KMK-Präsidentin Dr. Stefanie Hubig verwies in einer Mitteilung im Herbst 2020 auf die Bedeutung demokratischer Bildung über Ländergrenzen hinweg. Man müsse junge Menschen darauf vorbereiten, einmal die „Verantwortung für Europa“ zu tragen. Die Corona-Pandemie, der zunehmende Populismus und die Flucht von Menschen nach Deutschland seien Themen, die gemeinsame demokratische Werte fordern, so Hubig, deren KMK-Präsidentschaft 2020 unter dem Motto „Europa (er)leben und gestalten“ stand. Die entsprechenden Werte sollen junge Menschen auf ihrem Bildungsweg an die Hand bekommen. Deshalb hat die KMK die Empfehlung „Europabildung in der Schule“ aktualisiert sowie eine weitere Empfehlung zur „Beruflichen Bildung als Chance für Europa“ verfasst. Darin sind Werte und Normen formuliert, die Schülerinnen, Schüler sowie Auszubildende laut KMK verinnerlichen sollten.

Partizipation in Schule und Hochschule
Um partizipative Schulstrukturen auszubauen, hat das niedersächsische Kultusministerium einen Maßnahmenplan zur Stärkung der Demokratiebildung erarbeitet. Schon in der Grundschule sollen alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sich in Klassenräten und Schulversammlungen zu engagieren. Der Plan sieht außerdem vor, Schüler grundsätzlich an realen demokratischen Projekten außerhalb der Schule mitwirken zu lassen. Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne erklärte im März 2020, dass die Schulen bei der Implementierung partizipativer Strukturen unterstützt werden sollen, indem sie Musterkonzepte zur Integration in die Lehrpläne erhalten. Tonne begründet die Notwendigkeit der Maßnahmen wie folgt: „Wir alle sind gefordert, gefährlichen Entwicklungen wie der Zunahme von Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, aber auch Hate Speech und Fake News entgegenzuwirken.“ 

Auch die Hochschulen sehen Bedarf, europäische Werte zu stärken: „Brexit, Grundrechtseinschnitte in Polen und Ungarn, die Spaltung der Europäischen Union in der Corona-Pandemie: Die zentrifugalen Kräfte innerhalb der Europäischen Union nehmen zu“, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) von Juni 2020. In einem von europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Hochschul- und Organisationsleitungen unterzeichneten Papier, dem Eberbach-Appell, ruft der DAAD deshalb dazu auf, an den Hochschulen stärker für europäischen Zusammenhalt einzutreten.

Demokratie: Verankerung in der Lehrerbildung
Mit dem Wunsch nach mehr demokratischer Bildung wird auch die Forderung nach einer Anpassung der Lehrerbildung laut: In den Maßnahmenplan zur Stärkung der Demokratiebildung hat das niedersächsische Kultusministerium beispielsweise eine stärkere Verankerung in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften integriert. Ähnliches wünscht sich auch Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung: „Rassismus, Fremden- und Demokratiefeindlichkeit oder der Verlust kritischer Medienkompetenz beispielsweise lassen sich nicht allein mit fachspezifischer Bildung bewältigen“, erklärte er im Juni 2020 in einer Mitteilung der GEW. Vielmehr brauche es eine „Weiterbildungskultur“, die sich nicht nur auf fachliche Themen konzentriert, sondern auch die Wertebildung einspannt. 

Über die didacta 2021
Die didacta 2021 ist das virtuelle Live-Event für die Bildungsbranche. Vom 10. bis 12. Mai 2021 führt Europas führende Bildungsmesse wieder Lehrkräfte, ErzieherInnen, AusbilderInnen sowie  Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Starke PartnerInnen aus Bildungsinstitutionen, Ministerien, Lehrer- und Fachverbänden und der Bildungswirtschaft sowie innovative BranchenexpertInnen präsentieren auf der Online-Plattform an drei Tagen ihre neuesten Produkte und Bildungskonzepte. Teilnehmende erhalten in Live-Chats Beratung von jedem Ort der Welt. Ein umfassendes Programm mit spannenden Diskussionen, Key Notes und lösungsorientierten Produktpräsentationen thematisiert aktuelle Entwicklungen, bietet Möglichkeiten zum Dialog und zeigt Wege für Gegenwart und Zukunft. Die Veranstaltung wird unterstützt vom Kultusministerium Baden-Württemberg. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2021 finden Sie ab Mitte April unter www.didacta.digital und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. 

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst. 

Bildmaterial:
dd_21_PM04_001_jpg: Damit demokratische Werte erhalten bleiben, sollen junge Menschen stärker an Entscheidungen beteiligt werden. Bild: Pixabay. 

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