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30.03.2021 - 09:56

Lehrkraft 4.0? Nicht jeder ist ein digital Native.

Digitale Didaktik steht im Fokus der Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Durch den Digitalpakt werden Schulen mit digitaler Infrastruktur versorgt. Doch woher sollen digital erfahrene Lehrkräfte kommen, die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit der neuen Technik unterrichten? Eine mögliche Antwort liegt in der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“.

Als vor rund einem Jahr die ersten Schulschließungen Lehrkräfte, Eltern und Schüler vor vollendete Tatsachen stellte, zeigte sich schnell, dass es großen Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung gab. Webcams waren ausverkauft und Laptops sowie Computer wurden zuhause zur heißumkämpften Mangelware. Doch während sich Technik verhältnismäßig schnell anschaffen ließ, brauchen digitale Unterrichtskonzepte länger, bis sie entwickelt und umgesetzt werden können. Auch wenn sich hier in den vergangenen 12 Monaten an deutschen Schulen einiges getan, bleiben die Herausforderungen groß. Doch bereits vor der Pandemie stand die Qualität der Lehrerbildung und Weiterentwicklung der Curricula im Fokus zahlreicher Forschungsprojekte. 

Bereits 2013 hatten Bund und Länder auf der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ beschlossen, um den gesamten Prozess der Lehrerbildung zu verbessern. Nicht nur das Studium, sondern auch der berufliche Einstieg und die Weiterbildung sollten an moderne Anforderungen angepasst werden. In zwei Förderphasen stehen hierfür insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung, um eine praxisorientierte Lehrerbildung zu fördern, die damit möglichst nah am Schulalltag ist. Die erste Phase fand zwischen 2014 und 2018 statt und die zweite Phase läuft seit 2019.

Die Evaluation der ersten Phase fiel „sehr positiv“ aus: Durch die Qualitätsoffensive würden sich Hochschulen inzwischen besser mit Schulen, Studienseminaren und anderen Beteiligten austauschen. Das reiche bis in die spätere Lehrerfortbildung hinein, fasst Bundesbildungsministerin Anja Karliczek die Ergebnisse zusammen.

Aus analog mach digital
Im März 2020 kam als neuer Schwerpunkt „Digitalisierung in der Lehrerbildung“ hinzu. Dabei konnten sich Hochschulen um Fördermittel für eigene Digitalisierungsprojekte bewerben. Das Augenmerk soll dabei auf dem digitalen Unterricht für angehende Lehrkräfte im Studium liegen. „Denn wer während der eigenen Ausbildung bereits digital unterrichtet wurde, kann auch selbst einen besseren digitalen Unterricht anbieten,“ sagt Karliczek. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass bereits in der ersten Förderphase laut Evaluation gerade im Zusammenhang mit den Themen Vielfalt und Inklusion die Möglichkeiten digitalen Lernens vermehrt genutzt worden seien.

Dass im digitalen Bereich weiterhin Nachholbedarf besteht, zeigt die Erfahrung der Vorsitzenden des Auswahlgremiums des Programms, Prof. Dr. Manfred Prenzel und Prof. Dr. Cornelia Gräsel. Die beiden schreiben im Newsletter des Bundesministeriums: „Oftmals schien die Ausschreibung der Qualitätsoffensive erstmals Anlass gegeben zu haben, Überlegungen zu solchen Fragen anzustellen und zu beginnen, ein Digitalisierungskonzept für die Lehrerbildung zu erarbeiten.“

Digitale Didaktik steht im Fokus
Beim Förderschwerpunkt Digitalisierung werden Hochschulen dabei unterstützt, Konzepte zu entwickeln, wie angehende Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeiten, die neue Technologien für Unterricht und Schule bieten, in ihrem Studienalltag selbst erfahren. Insgesamt sind 30 Einzel- und Verbundsprojekte vorgesehen, vier davon betreffen gleichzeitig den Schwerpunkt „Lehrerbildung für die beruflichen Schulen“. In allen Projekten sollen Chancen und Grenzen der Technologien gleichermaßen mitgedacht werden. Lehrkräfte sollen so lernen, ihre Schülerinnen und Schüler beim Entwickeln ihrer „digitalen Souveränität“ zu unterstützen. 

Raum für Theorie und Praxis
Der Werkzeugkasten von Lehrkräften füllt sich zusehends mit digitaler Technik, seien es Virtual- und Augmented-Reality oder Blended Learning-Angebote im Unterricht. Um dieser Entwicklung auch in der Lehrkräfte-Aus- und Weiterbildung gerecht zu werden, erforschen Projektsteilnehmer der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ auch diese neuen Technologien und lassen die Erkenntnisse direkt in die eigene Lehrkräfteausbildung einfließen.

Wie das Förderprogramm die Ausbildung der angehenden Lehrkräfte praxisorientiert verändert und der Weiterentwicklung des Kurrikulums dient, zeigen beispielsweise zwei Projekte des Informatik Schülerzentrum der Universität Oldenburg: OLE+ und DiOLL. Hier unterrichten beispielsweise Lehramtsstudierende Schülergruppen in sogenannten Theorie-Praxis-Räumen auf Basis ihrer eigenen Unterrichtsentwürfe. Der Unterricht wird anschließend in Lehrveranstaltungen ausgewertet. Die Räume dienen so zu gleichen Teilen der Oldenburger Forschung zur Lehrkräftebildung und der Fortbildung schulischer Lehrkräfte, um diese fit im Umgang mit digitalen Unterrichtsmethoden zu machen. Dabei setzen die Projektverantwortlichen ergänzend zukunftsweisende Technologien wie Augmented- und Virtual-Reality Anwendungen ein.

Auch die zahlreichen anderen Projekte der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ entwickeln so digital unterstützte Lehr-Lern-Konzepte, die in der Lehramtsausbildung und Lehrkräftefortbildung erprobt und auf ihre Effektivität hin untersucht werden. Auch wenn diese 30 Projekte jeweils unterschiedliche digitale Schwerpunkte setzen, haben sie laut Bildungsministerin Karliczek ein gemeinsames Ziel: die Ausbildung der Lehrkräfte stetig zu verbessern und so Schülerinnen und Schülern einen zukunftsorientierten Unterricht zu sichern.

Über die didacta 2021
Die didacta 2021 ist das virtuelle Live-Event für die Bildungsbranche. Vom 10. bis 12. Mai 2021 führt Europas führende Bildungsmesse wieder Lehrkräfte, ErzieherInnen, AusbilderInnen sowie  Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Starke PartnerInnen aus Bildungsinstitutionen, Ministerien, Lehrer- und Fachverbänden und der Bildungswirtschaft sowie innovative BranchenexpertInnen präsentieren auf der Online-Plattform an drei Tagen ihre neuesten Produkte und Bildungskonzepte. Teilnehmende erhalten in Live-Chats Beratung von jedem Ort der Welt. Ein umfassendes Programm mit spannenden Diskussionen, Key Notes und lösungsorientierten Produktpräsentationen thematisiert aktuelle Entwicklungen, bietet Möglichkeiten zum Dialog und zeigt Wege für Gegenwart und Zukunft. Die Veranstaltung wird unterstützt vom Kultusministerium Baden-Württemberg. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2021 finden Sie ab Mitte April unter www.didacta.digital und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. 

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.  

Bildmaterial:

dd_21_PM02_001.jpg: Damit Lehrkräfte besser auf den digitalen Unterricht vorbereitet werden, soll bereits das Studium digitaler werden. Bild: Pixabay. 

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