Podiumsdiskussion Bildung und Digitalisierung - Medientag didacta 16. Januar 2020

03.02.2020 - 08:40

„Verhindern die Governance-Strukturen in Deutschland die Digitalisierung in der Bildung?“

Statements der beteiligten Referenten

 

Dörte Conradi, Abteilungsleiterin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Baden-Württemberg:

"Die durch die Digitalisierung veränderte Informations- und Wissensumgebung hat Auswirkungen auf den ganzen Bildungsbereich. Unsere Schulen bzw. der Schulbereich insgesamt steht daher einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber, die Stück für Stück in einer Gesamtstrategie bereits in Angriff genommen worden sind. Dazu zählen neben der curricularen Verankerung, die Qualifizierung der Lehrkräfte sowie die Schaffung der notwendigen technischen Voraussetzungen. Ziel muss es sein, die Grundlagen zum Erwerb von digitalen Kompetenzen an Schulen nachhaltig zu verbessern. Dabei gilt die Prämisse: Die Technik muss der Pädagogik folgen.

 

Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass die vielen unterschiedlichen Aspekte der Digitalisierung im Schulbereich eng miteinander verzahnt sind und nur parallel erfolgreich angegangen werden können. So fördert eine leistungsfähige technische Ausstattung an einer Schule nicht den digitalen Transformationsprozess, wenn das pädagogische Einsatzkonzept für die Technik in der Schule fehlt. Und auch in Verbindung mit guten pädagogischen Konzepten kann digitale Technik nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn die Lehrkräfte über die nötige Qualifizierung verfügen."

 

 

 

 

 

Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender Verband Bildungsmedien e.V., Geschäftsleitung Medienrecht und Kommunikation Ernst Klett Verlag GmbH:

"Digitale Bildungsmedien helfen, Schülerinnen und Schüler mit differenzierenden digitalen Lernangeboten individuell zu fördern - bei überschaubarem Zeitaufwand für die Lehrkräfte. Innovative Bildungsmedien unterstützen das gemeinsame Arbeiten in Teams und lassen mehr Zeit für die Moderation durch die Lehrenden. Und multimediale Lernangebote eröffnen neue, motivierende Zugänge zum Kompetenzerwerb und gehen dabei auf unterschiedliche Lerntypen ein.

Die Schulen möchten beginnen; die Verlage verfügen über ein breites Angebot - da ist es erfreulich, dass Bund, Länder und Kommunen bereit sind, die Gelder für ein zukunftsfähiges und gerechtes Bildungssystem zur Verfügung zu stellen. Aber es reichen keine Einmalfinanzierungen aus, und es darf auch nicht nur bei der Hardwareausstattung bleiben. Denn selbstverständlich gehört die regelmäßige Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte dazu und es geht weiter beim Datenschutz, beispielsweise durch die Vergabe von Schüleridentitäts- und Schulidentifikationsnummern, und bei der kontinuierlichen Wartung und Betreuung der digitalen Infrastruktur. Es sind noch viele operative Schritte erforderlich, damit der Einsatz digitaler Medien in Deutschland erfolgreich in der Bildungspraxis ankommt. Für uns steht dabei der einfache und unmittelbare Zugang zu Bildungsinhalten im Vordergrund: Bei der Digitalisierung sind die Bildungsmedienverlage Partner der Lehrkräfte." 

 

Christoph Meinel, CEO und Direktor des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI), Dekan der Digital Engineering Fakultät an der Universität Potsdam:

"Der Istzustand in puncto digitale Schulbildung ist für eine führende Industrienation nicht akzeptabel. Obwohl die Dringlichkeit allen Beteiligten bewusst ist, kommen wir nur sehr langsam voran. Für eine erfolgreiche und schnelle Digitalisierung des Bildungswesens brauchen wir in einigen Bereichen neue Governance-Strukturen und insgesamt weniger Zuständigkeits- und Kompetenzgerangel."

 

Dr. Teodor Niehaus, Präsident Didacta Verband der Bildungswirtschaft e.V.:

"Lehrkräfte benötigen professionelle Arbeitsbedingungen und Rechtssicherheit beim Umgang mit digitalen Lehrmitteln. Fest steht: Ohne funktionierende Technik ist moderner Unterricht unmöglich. Für Schulen und Schulträger ist eine systematische Planung des technischen und räumlichen Bedarfs, nachhaltige Beschaffungsentscheidungen und nicht zuletzt der technische Support unverzichtbar. Zugleich müssen Lehrkräfte für die Anforderungen der Digitalisierung fit gemacht werden. Der Umgang, die Reflexion und der Einsatz digitaler Medien sowie eine angepasste Methodik und Didaktik zählen ebenso dazu wie die Kompetenz, selbst didaktische Einheiten zu entwickeln. Die Bildungswirtschaft ist hierbei ein verlässlicher Partner."

 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2020 finden Sie unter www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. 

#didacta20

 

Infokasten zum Video:

Am 16. Januar hat der Medientag der didacta in der Aula des Schickhardt - Gymnasiums in Stuttgart stattgefunden, hier sehen Sie die vollständige Podiumsdiskussion: www.youtube.com/watch

Vom 24. bis 28. März 2020 führt die didacta – die Bildungsmesse als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Stuttgart zusammen. 

 

 

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