„Gute Nachrichten für die Branche“

10.01.2020 - 14:22

Eröffnungspressekonferenz der CMT 2020: Weltweiter Tourismus wächst weiter / Klimaschutz und Nachhaltigkeit rücken ins Bewusstsein

„Die Tourismusbranche verzeichnet seit zehn Jahren ein ununterbrochenes Wachstum“, sagte Prof. Dr. Martin Lohmann, wissenschaftlicher Berater der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), am Freitag auf der Eröffnungspressekonferenz der CMT 2020 in Stuttgart. Mit rund 1,45 Milliarden internationalen Ankünften sei 2019 „ein neuer Rekord“ erreicht worden. Neben der Zunahme von knapp vier Prozent weltweit habe sich auch der Deutschlandtourismus „positiv entwickelt“. Hier rechne man für das vergangene Jahr mit fast 500 Millionen Übernachtungen – „noch ein Rekord“, der Steigerungen bei ausländischen (+ 2%) wie inländischen Gästen (+ 4%) gleichermaßen geschuldet sei.

„Konstante Nachfrage auf hohem Niveau“

Beim Reiseverhalten der Deutschen sei eine „konstante Nachfrage auf hohem Niveau“ festzustellen, so Lohmann. Insgesamt hätten die Bundesbürger 2019 etwa 71 Millionen Urlaubs- und 92 Millionen Kurzreisen unternommen. Bei allen Reiseformen bleibe „Deutschland Reiseziel Nummer eins“. Ein „deutliches Plus“ verzeichneten jedoch internationale Flugziele und Kreuzfahrten (+ 9%). Als besonders reiselustig hätten sich abermals die Baden-Württemberger erwiesen, auf welche allein über 20 Millionen Reisen entfallen seien – „mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil bei den Auslandszielen“.

„Wertewandel“: sozial- und naturverträgliches Reisen

Langfristig wachse die Zahl deutscher Touristen, die „sozial und ökologisch nachhaltigem Reisen“ positiv gegenüberstünden, sagte Lohmann. Allerdings gebe es für die konkrete Reiseentscheidung zahlreiche weitere Faktoren, allen voran Schulferientermine oder die persönliche finanzielle Lage. „Die Mehrheit der Touristen macht eine Reise nicht, um die Natur zu schützen. Sie reisen, um schöne Ferien zu machen.“ So sei auch die sogenannte „Flugscham“ mehr Ausdruck eines inneren Konflikts als dessen Lösung. Der zu beobachtende „Wertewandel“ sei dennoch ein wichtiger erster Schritt, denn: „ohne Einstellung kein Handeln“. Die Veranstalter seien nun gefragt, mit entsprechenden Angeboten zu reagieren.

„Gegenseitiges Verständnis gefragt“

Die Präsidentin des Corps Touristique, Hanna Kleber, warb für eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Sinn des Reisens, der sich nicht zuletzt im Reiseverhalten der Instagram-Generation widerspiegele: „Man reist nicht, um von A nach B zu kommen, sondern, um andere Menschen zu treffen.“ Gegenseitiges Verständnis sei daher gefragt, denn „Reisende kommen mit persönlichen Eindrücken zurück“. Zu den jüngsten Destinationen im Verbund des Corps Touristique zählten etwa Uganda oder die Elfenbeinküste. Man hoffe, diesen Zielen neue Chancen bieten zu können: „In Afrika schafft ein Tourist acht Arbeitsplätze, welche wiederum an die zwanzig Menschen ernähren.“

Beste Aussichten für die Saison 2020

Laut Lohmann stehen die Zeichen für die kommende Saison bestens. Die deutschen Urlauber seien neugierig, flexibel, erfahren, anspruchsvoll und multioptional – und ließen sich ihre „liebgewonnene Gewohnheit“ weder von geopolitischen Veränderungen noch von der Thomas-Cook-Pleite trüben. Zwar äußerten sich die Deutschen hinsichtlich ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation „etwas verhaltener“, doch werde diese im Großen und Ganzen als stabil wahrgenommen. Das von der FUR alljährlich erhobene „Barometer“-Kriterium „Geld + Lust + Zeit“ sei bei 44 Prozent der Befragten erfüllt und liege damit gegenüber dem Vorjahr erneut im Plus. „Das sind gute Nachrichten für die Branche.“

„Bunte Vielfalt“ auf der CMT

Diese Botschaft ist auch auf der CMT angekommen: Mit insgesamt 2161 Ausstellern aus rund 100 Ländern und über 360 Städten und Regionen präsentiere sich in Stuttgart zum Jahresauftakt wieder eine „bunte Vielfalt“, so Messe-Geschäftsführer Roland Bleinroth. „Wir konnten das hohe Niveau der Vorjahres-CMT halten. Das Messegelände ist komplett ausgebucht, alle zehn Hallen sind belegt.“ Inhaltlich habe man am bewährten Erfolgskonzept festgehalten. Die CMT-Tochtermessen „Fahrrad- & WanderReisen“ (erstes Wochenende), „Golf- und WellnessReisen“ sowie „Kreuzfahrt- & SchiffsReisen“ (zweites Wochenende) seien etablierte Besuchermagneten. Besonders freue ihn, dass man als diesjähriges CMT-Partnerland die Republik Montenegro habe gewinnen können, wo es „viele spannende Dinge zu entdecken“ gebe. Weitere Messepartner sind der Heilbäderverband Baden-Württemberg für den Caravaning-Bereich sowie das Outdoor Spezial „Wilder Süden“ in Kooperation mit der Tourismus Marketing Baden-Württemberg. Neu im Portfolio ist das Thema Reisefotografie mit geführten Touren auf der CMT. Angebote wie der „fvw Destination Germany Day“ oder der „CMT Travel Market“ richteten sich derweil gezielt an das Fachpublikum, dessen Anteil von Jahr zu Jahr steige.

„Interesse an Freizeitfahrzeugen wächst weiter“

Caravaning-Begeisterte dürften sich auf den „größten und vielfältigsten Caravaning-Bereich aller Zeiten“ freuen, sagte Bleinroth. In den sechs ausgebuchten Caravaning-Hallen der CMT erwarten die Besucher rund 120 Premieren, ein reiches Angebot an Zubehör und Ausstattung sowie jede Menge Tipps und Tricks zum Thema „Vanlife“. „Der Markt für Caravaning und Reisemobile ist 2019 stark gewachsen“, berichtete Kai Dhonau, Präsident des Deutschen Caravaning Handels-Verbands (DCHV). „Wir rechnen mit einem All-time-high, das bei insgesamt 80 000 Neuzulassungen liegen dürfte.“ Ein „Ende des Booms“ sei dabei keineswegs in Sicht: „Das Interesse an Freizeitfahrzeugen wächst weiter, trotz eintrübender Konjunkturaussichten. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir auch 2020 an die bisherige positive Entwicklung anknüpfen können.“

 

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