50 Jahre CMT – 50 Jahre Tourismus

21.08.2017

Eine Zeitreise zu den Anfängen des Massentourismus

Die Stuttgarter CMT gilt als Pilotmesse der Tourismusbranche für das laufende Jahr. Sie ist nicht nur die Neuheitenschau für die Fahrzeugmodelle der Caravaning-Branche zum Saisonbeginn und das Forum für die touristischen Highlights der Destinationen, sondern auch die Informationsplattform für reisefreudige Menschen. „Im Januar werden erfahrungsgemäß die meisten Buchungen für das Urlaubsjahr getätigt“, bezieht sich Guido von Vacano, Bereichsleiter für die Stuttgarter Publikumsmessen, auf Ergebnisse der GfK. Dass heute rund 75 Prozent der Deutschen regelmäßig verreisen, war vor 60 Jahren nicht selbstverständlich. Der Aufschwung des Tourismus spiegelt die Entwicklung der Stuttgarter Messe wider. „Die CMT war mit ihren Inhalten und Angeboten zur richtigen Zeit immer an der richtigen Stelle“, sagt von Vacano. 1968 war nicht nur das Gründungsjahr der CMT, sondern auch das des TUI-Konzerns; damals der Zusammenschluss von Touropa, Scharnow-Reisen, Hummel Reise und Dr.-Tigges-Fahrten zur Touristik Union International GmbH & Co. KG.

Durchbruch zum Massentourismus

„Zum Durchbruch des massenhaften Verreisens kam es in Deutschland erst nach Gründung der Bundesrepublik“, berichtet die Historikerin Sina Fabian. Noch 1960 hätten weniger als ein Drittel der Bevölkerung eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen unternommen. Auch die vermeintliche Italienreisewelle in den 1950er und 1960er Jahren spiegele nicht die realen Verhältnisse wider. „Die große Mehrheit der Reisenden verbrachte ihren Urlaub zunächst im Inland.“ Das beliebteste Auslandsreiseziel – mehrheitlich mit dem eigenen Auto - war bis in die 1980er Jahre hinein übrigens Österreich und nicht Italien. Am Anfang der 1970er Jahre spielten Flugreisen nur eine marginale Rolle.

Das Fliegen gewinnt an Bedeutung

Die 1970er Jahre bedeuteten eine Dekade tiefgreifender Veränderungen sowohl in der bundesdeutschen Tourismusbranche als auch im Reiseverhalten der Bevölkerung. Der Anteil, der über einen Veranstalter gebucht wurde, so Fabian, „stieg in den 1970er und 1980er Jahren auf mehr als das Doppelte und machte 1988 rund 40 Prozent aller Haupturlaubsreisen aus“. Eine weitere tiefgreifende und langfristige Veränderung betraf die Reiseverkehrsmittel. Ende der 1960er Jahre verreisten 60 Prozent der Urlauber mit dem Auto, während nur wenige flogen. Mit der Zunahme von Pauschalreisen gewann jedoch das Flugzeug an Bedeutung. Für die Entwicklung der CMT bedeutete dies, dass - nach zweimal Motor Sport Freizeit (MSF) - 1971 die Caravan Camping Touristik (CCT) entstand. „Wir Caravan-Händler waren mit der Messe in Stuttgart zufrieden und veranstalteten 1971 eine eigene Ausstellung, die CCT“, erinnert sich Michael Winkler, einer der ersten Caravan-Aussteller auf der Messe. Ein Jahr später fand die dritte und letzte MSF statt. 1973 verschmolzen diese beiden Ausstellungen dann zur CMT, die seitdem regelmäßig zu Beginn eines Jahres stattfindet. Die Themen Tourismus und Caravaning bildeten von da an die zentralen Säulen der Messe, die sie heute noch tragen. Allerdings nicht mehr allein. In den 1990er Jahren kamen die Golf-Reisen und die Fahrrad-Reisen als CMT-Töchter dazu, die sich inzwischen zu unentbehrlichen Wochenend-Veranstaltungen etabliert haben. Die Wellness-Reisen, die Kreuzfahrt- und Schiffs-Reisen sowie der Schwerpunkt Wandern sollten in den Folgejahren dazukommen. Mit den neuen Schwerpunktthemen nahm die CMT immer aktuelle Trends auf, bei denen zum Beispiel der naturverbundene Outdoor-Tourismus oder die Kreuzfahrtreisen immer noch mit Wachstumsraten glänzen können.

Bundesbürger konnten sich etwas leisten - Urlaub und Autos

Die 1970er Jahre waren durch eine Ausweitung des Konsums geprägt. Weniger wohlhabende Haushalte verbesserten ihre Einkommenssituation und konnten sich erstmals Güter wie Autos und Urlaubsreisen leisten. Steigenden Einkommen standen zudem sinkende Arbeitszeiten gegenüber. 1970 wurde ein Mindesturlaub von 20 Tagen gesetzlich verankert. Neben den Einkommenssteigerungen schufen technische, politische und brancheninterne Entwicklungen in der Tourismusindustrie die Voraussetzungen, die den Anstieg der Flugpauschalreisen ins Ausland ermöglichten. So kam es in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren zu einem Konzentrationsprozess innerhalb der westdeutschen Tourismusbranche. Dies ermöglichte es den Unternehmen, das notwendige Kapital für einen kostengünstigen Flugpauschalreisemarkt aufzubringen.
Eine weitere Veränderung, die den Aufstieg von Flugpauschalreisen begünstigte, war die Liberalisierung des Flugmarkts. Bis in die 1970er Jahre schränkten Richtlinien der International Air Transport Association den Charterflugverkehr stark ein, sagt Sina Fabian. Aufgrund der besseren Kalkulationsmöglichkeiten und der höheren Auslastung der Charterflüge waren Reiseveranstalter in der Lage, den Flugpreis gering zu halten. Dadurch vergünstigten sich die gesamten Pauschalreisearrangements erheblich. Neben der Deregulierung förderten technische Innovationen im Flugverkehr die Expansion der Pauschalreisen. Düsenflugzeuge ermöglichten kürzere Flugzeiten – so war etwa auf dem Flug nach Mallorca keine Zwischenlandung zum Auftanken mehr nötig. Dadurch konnten die Flüge enger getaktet und zu günstigeren Preisen angeboten werden.

CMT knackt magische Grenze

Mit der steigenden Reiselust wuchs auch das Interesse an der CMT. 1976 knackte sie die magische Marke von 100.000 Besuchern. Bei Umfragen stellten die Messemacher fest, dass sich viele Besucher einen Tag Urlaub nahmen, um auf die CMT zu gehen. In den 1980-er Jahren wurden vielen deutschen Urlaubern Europa zu klein, „sie begeisterten sich immer mehr für Fernreisen“, sagt von Vacano. Die Jahrzehnte der „deutschen Reiseweltmeister“, was die Pro-Kopf-Ausgaben für den Urlaub betrafen, begannen und hielten bis vor kurzem an. Die CMT begann sich mit dieser Entwicklung auseinander zu setzen und „in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts nahm das Konzept des Partnerlands erste Formen an“. Die Türkei, Namibia und die Seychellen gehörten in den 1990-er Jahren dazu, dann teilte die CMT interessierte Länder in Nah- und Ferndestinationen und konnte jedes Jahr zwei attraktiven Länder aus Europa und aus Übersee eine Präsentationsfläche auf der Messe bieten. Im Jahr 2002 kam die Partnerregion für den Caravaning-Bereich hinzu. Als erste Destination konnte damals Katalonien gewonnen werden. Seitdem stellten sich Campingregionen von Norwegen über das Baltikum bis Kampanien und der Kvarner Bucht auf der CMT vor, während sich mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Schwarzwald auch deutsche Regionen einer großen Öffentlichkeit präsentieren konnten. Mit dem Start der „Günstig-Airlines“ in den 1990-er Jahren und der fortschreitenden Digitalisierung der Branche zu Beginn des neuen Jahrhunderts setzte sich eine Entwicklung in Bewegung, die noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Auch diesen Herausforderungen wird sich die CMT annehmen und auch künftig neue Akzente setzen.

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