BDG-Umfrage: Gießereien leiden unter Auftragsmangel und Stornierungen

19.05.2020 - 15:41

Knapp 90 Prozent der deutschen Gießereien verzeichnen Auftragseinbußen bzw. Stornierungen durch die Coronakrise. Ein Drittel erwartet, dass die Krise mehr als ein Jahr lang andauern wird: Das sind zentrale Ergebnisse der dritten Umfrage vom Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG).

Der BDG hatte seine Mitglieder in der KW 20 zum dritten Mal nach März und April zu den Auswirkungen der Coronakrise befragt. Wesentliche Aussagen der Vorbefragungen haben sich in der aktuellen Befragung weiter zugespitzt: So hatten bei der Erstbefragung im März 76 Prozent der befragten Unternehmen „Auswirkungen des Coronavirus auf den Betriebsablauf“ gespürt, 24 Prozent hatten dies nicht. Bei der zweiten Befragung im April war die Verneiner-Quote auf 4 Prozent geschrumpft, 96 Prozent hatten Auswirkungen auf den Betriebsablauf festgestellt. Bei der aktuellen dritten Befragung ist der Wert weiter gestiegen. Im Mai stellen 99 Prozent der Unternehmen „Auswirkungen auf den Betriebsablauf“ fest.

Ein gravierender Punkt ist Auftragsmangel. Die Frage nach „Auftragseinbußen bzw. Stornierungen“ bejahen knapp 90 Prozent der Befragten, 54 Prozent registrieren sogar „gravierende“ Einbußen, lediglich 12 Prozent „geringe“. Die Frage nach „Kapazitätsanpassungen“ bejahen 81 Prozent der befragten Betriebe. Als Instrumente aufgeführt werden „Kurzarbeit“ (77 Prozent) sowie „Produktionsstopps“ (46 Prozent). Immerhin 29 Prozent der befragten Betriebe nennen auch „Personalabbau“ als aktuell in Prüfung befindliche Maßnahme. „Entscheidend für die Unternehmen der Gießerei-Branche ist die Planungssicherheit der abnehmenden Kunden“, sagt BDG-Hauptgeschäftsführer Max Schumacher. „Es muss zu partnerschaftlichen und transparenten Festlegungen kommen, das Abnahmeverhalten darf nicht auf Kosten der zuliefernden Gießereien gehen.“

Bei der Frage nach aktueller oder künftig zu erwartender Inanspruchnahme von Krediten im Falle von Liquiditätsengpässen ist das Branchenbild heterogen. Rund 52 Prozent der befragten Unternehmen können die Coronakrise gut abfedern und sehen weder aktuell noch perspektivisch Liquiditätsbedarf durch Kredite. Eine knappe Minderheit von 44 Prozent hat aktuell bereits Liquiditätsengpässe oder erwartet sie. „Darunter sind Betriebe, die sich einer ihre Existenz bedrohenden Krise ausgesetzt sehen“, sagt Schumacher. „Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen müssen so umgesetzt werden, dass sie bei den Unternehmen zügig und unbürokratisch ankommen.“

Neu in der aktuellen Mitgliederbefragung war die Frage nach dem erwarteten Zeithorizont, um zur Normalauslastung zurückzukehren. Mit einem Zeithorizont von 1 bis 3 bzw. 3 bis 6 Monaten rechnet nur eine Minderheit von 5 Prozent bzw. 8 Przent der Befragten. Die Mehrheit der Betriebe von 82 Prozent rechnet mit einer Krise von mindestens einem halben Jahr Dauer, darunter sind 32 Prozent, die mit einer Dauer von mehr als einem Jahr rechnen. Die Branche erwartet für das laufende Jahr 2020 Umsatzrückgänge; relativ die meisten Unternehmen erwarten ein Umsatzminus im Bereich zwischen 20 und 30 Prozent. Daher müssen neben der Vermeidung zusätzlicher Belastungen nun auch wirksame konjunkturelle Anreize gesetzt werden, die einen Neustart der deutschen mittelständischen Wirtschaft ermöglichen.

Weitere Informationen: https://www.bdguss.de/

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