03.07.2020 - 13:13

BDG veröffentlicht Ergebnisse der vierten Coronavirus-Umfrage

Deutschlands Gießerei-Industrie kürzt Investitionen und erwartet drastisch fallende Umsätze für 2020. Ob die Rezession auf die Beschäftigung durchschlägt, dürfte auch von der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes sowie der Performance der Hauptabnehmerbranche Fahrzeugbau abhängen: Dies sind zentrale Befunde aus der vierten Monats-Umfrage vom Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG).

Seit März 2020 (erste Umfrage) befragt der BDG seine Mitgliedsunternehmen monatlich in der Coronakrise und erfasst damit exklusiv und systematisch Daten zur deutschen Gießerei-Industrie. Das Grundgerüst gleicher Fragen wird situativ ergänzt. Die Juni-Umfrage hatte einen Schwerpunkt auf den Themen Beschäftigung, Umsatzentwicklung sowie der Bewertung des Konjunkturpaketes.

Zu den von Beginn an abgefragten Themen: „Auswirkungen des Coronavirus auf den Betriebsablauf“ hatten bei der Erstbefragung im März 76 % der befragten Unternehmen“ solche gespürt. Dieser Wert war über 96 % (April) auf 99 % (Mai) gestiegen und ist im Juni auf 92 % gefallen. Ein gravierender Punkt bleibt der Auftragsmangel. Die Frage nach „Auftragseinbußen bzw. Stornierungen“ bejahen wie im Mai knapp 90 % der Befragten, 64 % der Betriebe registrieren sogar „gravierende“ Einbußen (Vormonat:54 %).

Leicht verschärft hat sich aus Sicht der deutschen Gießereien auch das Thema „Kapazitätsanpassungen“. Die Frage danach bejahen 85 % der befragten Betriebe (Vormonat: 81 %). Als Instrumente aufgeführt werden „Kurzarbeit“ (81 %, Vormonat 77 %). Während „Produktionsstopps“ (33 %, Vormonat 46 %) leicht abgenommen haben, könnte der „Personalabbau“ allmählich ein Thema für die Unternehmer werden. Hier stieg die Zustimmung zur Frage von 29 % auf 34 %.

Dass dies allmählich in den Fokus rückt, überrascht angesichts der weiteren Einschätzung zum laufenden Jahr 2020 nicht. So erwartet lediglich eine Minderheit von 6 % der befragten Betriebe stabile bis leicht steigende Umsätze für das laufende Jahr, während 93% Umsatzrückgänge erwarten, davon wiederum 92% mehr als 10% Rückgang.

Ähnlich lautet der Befund bei der Frage der Investitionen. Nur eine Minderheit von 25% will nach jetzigem Stand an den für 2020 geplanten Investitionen festhalten. Die überwiegende Mehrheit der Gießereien will kürzen, und zwar massiv. 38 %der befragten Gießereien prognostiziert mindestens eine Halbierung der geplanten Investitionen.

Deutschlands Gießer prognostizieren indes keine Veränderung der Beschäftigung, die mit den pessimistischen Erwartungen zu Umsatz- und Produktionsentwicklung exakt korrespondiert, wenngleich die Zeichen auf Abbau stehen. 23 % rechnen bis Jahresende mit gleichbleibender Beschäftigung, immerhin 69 % der Befragten prognostizieren einen Abbau bei der Belegschaft, davon 64% einen Rückgang von mehr als 10%.

„Hier federt die Regelung zur Kurzarbeit offensichtlich noch pessimistischere Szenarien ab – wobei die Frage der Dauer entscheidend sein wird für die weitere Entwicklung. Denn wenn knapp 90 % unserer Betriebe die Verlängerung der Kurarbeiterregelung über das laufende Jahr hinaus für erforderlich halten, zeigt das aus unserer Sicht ganz deutlich: Der Industrielle Mittelstand in Deutschland benötigt schnellstmöglich Anreize für steigende Auftragseingänge“, bilanziert BDG-Hauptgeschäftsführer Max Schumacher die Ergebnisse der vierten Umfrage, „insbesondere muss der Automobilbau wieder Volumenmodelle zuverlässig und erfolgreich an die Käufer bringen.“

Erfreulich: Trotz der mit der Coronakrise verbundenen schweren Rezession wollen Deutschlands Gießereien auch künftig Nachwuchs ausbilden: Eine überwältigende Mehrheit von 71 % der Betriebe will die Zahl seiner Ausbildungsstellen konstant halten.

Ergänzende Information. Die Befragung erfolgte vom 18.06 – 24.06. (Kalenderwoche 26), teilgenommen haben 89 deutsche Gießereien.

www.bdguss.de  

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