ECM: Quo Vadis?

Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung, hat die DMS EXPO, die nun ein Teil der IT & Business ist, von Anfang an begleitet. Ob Besucher oder Aussteller – die meisten kennen ihn von inspirierenden Fachvorträgen, kontroversen Diskussionspanels oder mahnenden Keynotes. So sieht er die Zukunft von Enterprise Content Management:

Ernüchterung ist eingetreten. Das Akronym ECM für Enterprise Content Management konnte sich nicht erfolgreich im deutschen Markt etablieren. Insider benutzen natürlich den Begriff und Analysten lassen mit ihren Studien den Eindruck entstehen, es gäbe diesen Markt – allerdings nicht in Deutschland. Dokumentenmanagement ist begrifflich immer noch angesagt.

Die Perzeption von ECM leidet unter verschiedenen Aspekten: Zum einen gibt es Anbieter von klassischen ECM-Lösungen, die nicht mehr unter diesem Begriff verortet werden wollen. Zum anderen hat sich die Technologie und bereitgestellte Funktionalität in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Andere Trends aus dem allgemeinen Umfeld von Kommunikations- und Informationstechnologien haben auch ECM verändert: Cloud, Mobile, Social, Analytics usw. Die ECM-Anbieter haben diese neuen Ansätze in ihre Produkte inkorporiert: Elektronische Akten lassen sich per App auf Mobilgeräten nutzen, standardisierte ECM-Lösungen gibt es als öffentliche SaaS und private PaaS in der Cloud, Enterprise Search und Analytics unterstützen die Erschließungsmethoden für Inhalte und Funktionen aus dem Bereich der sozialen Medien ergänzen die neuen Benutzeroberflächen der ECM-Welt.

Die eigentlichen Kerntechnologien von Enterprise Content Management verschwinden dabei aus der Sicht des Anwenders, da sie sich zur Infrastruktur der Systeme gewandelt haben. ECM-Funktionalität ist essenziell, um die kontinuierlich wachsende Informationsmenge zu verwalten und so die Übersicht zu behalten. Funktionalität wie Records Management wird benötigt, um die rechtlich und inhaltlich wichtigen Informationen erschließen, verwalten und sichern zu können. Als Rückgrat aller Anwendungen bedarf es Business Process Management für die Automatisierung und die zielgerichtete Bereitstellung der Informationen. Übergreifende Informations-Repositorys wie auch die elektronische Archivierung sind notwendig, um Voraussetzungen für die Digitalisierung zu schaffen.

Anforderungen und der Bedarf sind nicht geringer geworden, auch wenn das Thema laut allen Analysen auf der Entscheiderebene nicht so wichtig genommen wird. Es gilt, die Notwendigkeit von geordnetem Informationsmanagement neu zu positionieren und die Bedeutung angesichts der Abhängigkeit von Richtigkeit und Verfügbarkeit der Information ins Bewusstsein aller Anwender, besonders der Entscheider zu rücken. Die Branche muss sich neu erfinden und eine zielgerichtete Ansprache der potenziellen Kunden finden.

Chance wie auch Notwendigkeit ergibt sich zudem durch die Neupositionierung der IT & Business in Stuttgart. In diesem Jahr wird das Logo „DMS“ noch für Visibilität sorgen. Aber es gilt, innerhalb des breiteren Umfeldes von Informationsmanagement neue Sichtbarkeit zu erzeugen. Schlagworte werden hier nicht helfen – nur das Eingehen auf aktuelle Herausforderungen durch die digitale Transformation von Geschäftswelt und Gesellschaft mit praxisnahen Lösungen kann die Branche weiterbringen.